Gesundheit

Gefahr durch Mücken im Sommer wächst: West-Nil-Virus in Berlin heimisch

Das West-Nil-Virus hat sich laut Charité dauerhaft in Berlin etabliert. Besonders im Juli und August steigt das Risiko einer Infektion durch Mückenstiche.

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Mücken werden in Berlin gefährlicher, weil ein wachsender Teil das West-Nil-Virus in sich trägt.

Mücken werden in Berlin gefährlicher, weil ein wachsender Teil das West-Nil-Virus in sich trägt.

© Jonas Walzberg/Imago

Das West-Nil-Virus hat sich nach Erkenntnissen der Berliner Charité dauerhaft in der Hauptstadt etabliert. Besonders im Juli und August besteht für Menschen ein Infektionsrisiko durch Mückenstiche, vor allem auf Friedhöfen, in Kleingärten und Parkanlagen.

Wie das Institut für Virologie der Charité am Freitag mitteilte, waren im Sommer 2023 in Berlin-Schöneberg zwischen 0,6 und 6 Prozent der gefangenen Stechmücken mit dem Virus infiziert. 2024 lag der Anteil bei 0,2 bis 2 Prozent. Die Mücken wurden in Probegruppen von je zehn Tieren getestet, wodurch die schwankenden Angaben zustande kommen. Über zwei Sommer hinweg wurden rund 24.000 Mücken an fünf Standorten untersucht.

Infektion durch Mücken: Berlin schreibt Zahlen wie Südeuropa

Studienleiterin Sandra Junglen erklärte, sie sei überrascht über die hohen Infektionsraten. Diese seien im August teils mit jenen in Südeuropa vergleichbar, wo es regelmäßig zu Erkrankungen beim Menschen komme. Genetische Analysen zeigten, dass sich das Virus lokal vermehre und seit 2021 in jedem Sommer in Berlin nachweisbar sei.

Dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales wurden 2024 sieben Fälle von West-Nil-Fieber gemeldet, fünf davon mit schwerem Verlauf. Die Betroffenen waren im Mittel 69 Jahre alt. Die tatsächliche Zahl der Infektionen könnte nach Einschätzung des Charité-Virologen Victor Corman mindestens hundertmal höher liegen.

Friedhöfe und Parks bergen Gefahr, Symptome selten kritisch

Das Virus wird laut Charité vor allem von der heimischen Stechmücke Culex pipiens übertragen und zirkuliert zwischen Mücken und Vögeln. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei nur über Blut- oder Organspenden möglich. Etwa ein Fünftel der Infizierten entwickelt grippeähnliche Symptome, bei rund einem von hundert Fällen befällt das Virus das Nervensystem.

Auffällig waren laut Junglen lokale Unterschiede: Besonders hohe Infektionsraten zeigten Mücken auf einem Friedhof und in einem parkähnlichen Wohngebiet, während in einem Naturschutzgebiet trotz größerer Mückenzahl kaum Infektionen nachweisbar waren. Entscheidend sei die Beschaffenheit der Umgebung sowie die Zusammensetzung der Vogelarten.

Die Charité rät besonders älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen zum Schutz vor Mückenstichen, etwa durch lange Kleidung, Abwehrmittel und Moskitonetze – vor allem in den Morgen- und Abendstunden. Eine Impfung für Menschen gibt es bislang nicht.

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