Chefsessel mit Tomislav Bucec

"Die Raffgier des Kapitalismus ist mir fremd"

Die Berliner Wirtschaft ist gut in Schwung. Doch wer sind die Macher, wer steuert die Unternehmen? In der Serie „Chefsessel“ stellt die Berliner Zeitung sie vor. Heute: Tomislav Bucec, Chef der Druckerei Laserline.

Matthias Loke
4 Min
Tomislav Bucec

Tomislav Bucec

© Lizenz

Wie viel Zeit verbringen Sie auf Ihrem Chefsessel?
Auf 70 bis 80 Stunden in der Woche komme ich schon. Den Großteil davon im Büro in der Firma, den anderen Teil im Homeoffice. Ich habe zu Hause im Keller ein eigenes Büro mit komplettem Datenzugang zur Firma.

Wo können Sie am besten entspannen?
Bei Lounge-Musik. Aber meine Spanne reicht von Xavier Naidoo bis Shakira. Dann kann ich auch gut abschalten bei Heimspielen von Hertha BSC. Und zu Hause bei meiner Familie kann ich natürlich am besten entspannen.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?
Bis auf eine kurze Zeit, als ich über den Beruf des Flugzeugingenieurs nachdachte: Ich wollte immer Unternehmer werden. Also einer, der Ideen umsetzt und damit ein Auskommen für sich und die Familie schafft. Ich rede nicht von Managern. Ein Manager verwaltet, ein Unternehmer ist kreativ.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit 13 habe ich Zeitschriften an Abonnenten ausgeliefert. Später habe ich Schülerzeitschriften gemacht, die ein kleines Taschengeld abwarfen.


Seit mindestens 35 Jahren ist er Unternehmer, sagt Tomislav Bucec über sich. Er gab Schüler-Zeitungen heraus, dann das „Uni-Journal“. Das Studenten-Magazin wurde bundesweit an Hochschulen vertrieben und hatte fünf Lokalredaktionen. Später besaß er einen Fotoladen und eine Werbeagentur. 1997 gründete der 52-Jährige die Druckerei Laserline. Und alles ohne Abschluss: Bucec studierte Wirtschafts-Ingenieur an der TU Berlin, kam aber vor lauter Arbeit nicht zum Ende. Er ist in Zagreb geboren und kam mit acht Jahren nach Berlin: „Der Wedding ist meine Heimat.“


Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?
Viele Menschen, die in sozialen und gesundheitlichen Bereichen arbeiten. Dagegen sind die meisten Spitzensportler überbezahlt.

Was würden Sie niemals für Geld tun?
Auf Kosten anderer mich bereichern oder für Geld Freundschaften gefährden. Man muss auch nicht den Maximalprofit aus allem herausquetschen, diese Raffgier des Kapitalismus ist mir fremd. Müssen große Konzerne denn wirklich in einem Quartal zehn Milliarden Dollar verdienen, wenn auch fünf Milliarden reichen, man dafür aber mehr Jobs einrichten könnte?

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Mehr Zeit für die Familie haben, für Freunde und mich selbst. Vielleicht wieder mal Tennis spielen. Das alles kommt derzeit zu kurz.

Wie kommen Sie ins Büro?
Mit dem Auto, obwohl die S-Bahn-Verbindung gut ist. Ich gebe zu: Das ist ökologisch nicht korrekt, aber bequemer.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?
Auf meine Frau und meine beiden wunderbaren Kinder.


Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?
Grundsätzlich eine positive Meinung zum Leben und zum Beruf zu haben. Nicht das Negative suchen, sondern die vielen positiven Aspekte jeden Jobs sehen. Wer sich etwas mehr engagiert als nötig, wird langfristig belohnt.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?
Durch Zuspätkommen, schlechtes Benehmen und unpassende Kleidung. Selbstbewusstsein ist wichtig, aber Angeber sind nicht willkommen.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?
In Kindergärten und Schulen die Ausstattung verbessern. Das muss nicht zuerst der neue Anstrich im Flur sein, sondern Lernmittel, die den Kindern kreatives Spielen und Lernen ermöglichen. Meine Frau ist selbst sehr aktiv im Förderverein der Schule unserer Tochter, daher weiß ich , wie viel man mit wenig mehr bewegen kann. Es muss mehr in Bildung investiert werden. Wir brauchen jedenfalls keine Kanzler-U-Bahn und kein Stadtschloss.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de