Chefsessel Ruwe GmbH

"Der Schnee würde 100 Meter weit fliegen"

Die Berliner Wirtschaft ist gut in Schwung. Doch wer steuert die Unternehmen? In der Serie „Chefsessel“ stellen wir sie vor. Heute: Klaus Dieter Tschäpe, Chef des deutschlandweit größten privaten Winterdienstes und Straßenreinigungsbetriebs Ruwe GmbH.

BLZ
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Klaus Dieter Tschäpe ist seit 2007 geschäftsführender Eigentümer der Ruwe GmbH.

Klaus Dieter Tschäpe ist seit 2007 geschäftsführender Eigentümer der Ruwe GmbH.

© Berliner Zeitung/Paulus Ponizak Lizenz

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf dem Chefsessel?

Pauschal lässt sich das schwer sagen. Im Schnitt sitze ich etwa sechs Stunden pro Arbeitstag am Schreibtisch in der Zentrale. Weitere sechs Stunden bin ich bei Kunden oder auf unseren Betriebshöfen. Das Wochenende versuche ich mir weitestgehend freizuhalten.

Wo können Sie am besten entspannen?

Über den Wolken. Ich mache gerade den Pilotenschein. Dort oben bin ich ganz für mich und auf andere Dinge konzentriert.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Ich war schon immer ein Macher, der zufrieden ist, unzufrieden zu sein. Ich will bewegen, verändern und vorankommen. Stillstand ist ein Graus für mich.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Als Schüler habe ich in einer Gießerei im Erzgebirge Gussteile geputzt. Eine Drecksarbeit, aber ich habe das in den Ferien immer wieder gemacht. Für das Geld habe ich mir damals ein Stern Hobby gekauft, ein Kofferradio mit Mittel- und Kurzwelle.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?

Krankenschwestern und Pflegekräfte. Es ist beschämend, was sie leisten und dafür bekommen. Man muss hier einfach mal akzeptieren, dass man Krankenhäuser nicht kostendeckend führen kann. Wer das glaubt, denkt am Patienten vorbei. Das gehört für mich zur Fürsorgepflicht des Staates.

Was würden Sie niemals für Geld tun?

Fasching feiern. Für Spaß auf Ansage bin ich nicht zu haben. Ich würde auch nie einen Auftrag kaufen.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Ich würde gern irgendwann einmal die Rollbahn des neuen Berliner Flughafens mit einer Winterdienstmaschine schneefrei räumen. Das ist ein Riesenfahrzeug, und der Schnee würde 100 Meter weit fliegen. Das wäre schön.

Wie kommen Sie ins Büro?

Manchmal mit der S-Bahn, meistens mit dem Auto.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Auf meine Couch und ein gutes Glas Rotwein – Meißen, Mosel, fast immer aus Deutschland. Wir haben hier sehr gute Weine.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Setzt euch ein Ziel, das ihr mittelfristig erreichen wollt und lasst euch dann nicht davon abbringen. Es wird Niederlagen geben und Rückschläge, aber das gehört dazu. Und wer das Ziel noch nicht gefunden hat, soll sich ausprobieren. Aber folgt nie einem Ziel, das euch andere vorgeben.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Indem er sich erst gar nicht bei uns bewirbt.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Kindern helfen. Wir unterstützen schon seit einigen Jahren ein Kreativ- und Bildungszentrum in Kreuzberg, die sogenannte gelbe Villa, in der täglich knapp 100 Kinder und Jugendliche für einen Euro am Tag professionell betreut, versorgt und gefördert werden. Ich würde viele gelbe Villen eröffnen. Eine Investition in unsere Kinder ist die beste Investition in unsere Zukunft.

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