Chefsessel-Serie mit Peter Stäblein

"Lernt ordentlich rechnen, lesen und schreiben!"

Die Berliner Wirtschaft ist gut in Schwung. Doch wer sind die Macher, wer steuert die Unternehmen? In der Serie „Chefsessel“ stellt die Berliner Zeitung sie vor. Heute: Peter Stäblein, Chef der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft

Matthias Loke
4 Min
Sein erstes Geld verdiente er mit dem Austragen von Zeitungen. Heute ist Peter Stäblein Chef der Behala.

Sein erstes Geld verdiente er mit dem Austragen von Zeitungen. Heute ist Peter Stäblein Chef der Behala.

© Paulus Ponizak Lizenz

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf diesem Sessel?

Die eine Hälfte der Arbeitszeit. Die andere entfällt auf Besprechungen im Haus.

Wo können Sie am besten entspannen?

Entspannen heißt abschalten, das kann ich bestens bei meinem Hobby: Ich baue eine Feuerwehr zum Wohnmobil um. Ein 12-Tonner, 30 Jahre alt, 24 000 Kilometer, gut erhalten. Beim Sägen und Schrauben denkt man nur daran, die Arbeit sauber hinzubekommen, nicht an Geschäftliches.


Mit Logistik kennt sich Peter Stäblein aus. Er lernte Speditionskaufmann bei einer Lkw-Spedition. Dann arbeitete er für die US-Fluggesellschaft Northwest Airlines. Unter anderem war er für die Beladung von Maschinen des Typs DC-10 („schwierig wegen der Hecklastigkeit durch die dritte Turbine hinten“) und Boeing 747 zuständig.

Mit dem Binnenhafen Hanau kam 1999 der dritte Verkehrsweg, das Wasser, hinzu. 2004 wechselte der gebürtige Unterfranke (Bad Neustadt an der Saale) zur Behala nach Berlin. Der 45-Jährige ist verheiratet und hat zwei Töchter.


Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Ich wollte früher Elektrotechnik studieren. Das klappte aber irgendwie mit dem Studienplatz nicht. Das Ausbildungsangebot der Spedition kam dann am schnellsten, und es hat mir auch zugesagt. So bin ich in diese Sparte gerutscht. Bereut habe ich es nicht.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich habe in Frankfurt-Fechenheim Zeitungen ausgetragen. Zwei Mal in der Woche. Dafür gab es 100 Mark im Monat.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?

All diejenigen, die sich im Beruf stark engagieren, die mit viel Eigeninitiative dabei sind, und doch in einem System stecken, das ihnen keinen oder wenig Raum gibt.

Was würden Sie niemals für Geld tun?

Auf Kosten anderer arbeiten. Zum Beispiel Pakete ausfahren lassen für drei oder vier Euro die Stunde. Ich könnte nicht ruhig schlafen, wenn ich wüsste, dass von mir bezahlte Leute nach der Arbeit in die Suppenküche gehen müssen, um über die Runden zu kommen.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Gemeinsam mit meiner Frau – sie ist Geologin – und den Kindern im Urlaub auf Island herumfahren. In der dann umgebauten Feuerwehr.

Wie kommen Sie ins Büro?

Mit dem Auto in 25 Minuten. Das ist einfach eine Zeitfrage. Mit den Öffentlichen würde ich mindestens doppelt solange brauchen.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Auf meine Familie. Ich will schon gern die Kinder mit ins Bett bringen und hören, was sie erlebt haben. Wenn das klappt, weiß ich: Jetzt ist Feierabend.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Man sollte sich nicht von vornherein auf ein bestimmtes Ziel festlegen, sondern offen sein für alle möglichen Dinge. Eine Binsenweisheit kommt für Schulabgänger zu spät: Lernt ordentlich rechnen, lesen und schreiben! Sonst entgehen euch Chancen, die ihr womöglich nie wieder bekommt.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Mit Desinteresse. Krassester Fall: Wir hatten einen Job-Bewerber, der nicht einmal wusste, dass wir einen Hafen betreiben.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Ich bin da mal im Sinne unseres Landesunternehmens egoistisch: Ich würde gern mit dem Geld unseren Südhafen in einem Ruck ausbauen, um die Kapazität zu steigern und Nachfrage anzuziehen. Damit könnten wir umweltfreundlich mehr Verkehr von der Straße aufs Wasser bringen.

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