Chefsessel Strato AG

Das geheime Rechenzentrum

Ohne Internet-Dienstleister wie Strato wäre das Netz für die User nicht viel wert. Vorstandschef Christian Böing gibt auf dem „Chefsessel“ Auskunft über Server, Windsurfen und Musterkarrieren.

BLZ
4 Min
Christian Böing

Christian Böing

© Berliner Zeitung/Markus Wächter Lizenz

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf dem Chefsessel?

Auf dem echten Chefsessel im Schnitt zwei Stunden pro Tag. Im Büro sitze ich meistens am Konferenztisch mit Mitarbeitern oder Vorstandskollegen. Wenn ich jemanden im Haus sprechen will, gehe ich zu ihm. Andererseits kann auch zu mir jeder kommen: Ist meine Tür offen, darf jeder rein. Dadurch vermeiden wir viel Mail-Verkehr. Das spart eine Menge Zeit.

Wo können Sie am besten entspannen?

Da gibt es viele Situationen: beim Windsurfen auf dem Meer und beim Tennisspielen, beim Musikhören – immer in Surround-Qualität – und bei Spaziergängen mit meiner Frau. Ebenso beim Kochen und Rasenmähen.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Nein. Ich hatte mich zwar etwa mit 17 festgelegt, BWL zu studieren, aber während meiner Karriere habe ich immer nur auf den nächsten Schritt geschaut. Strategisch geplant war nichts.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich habe alles gemacht: Zeitungen ausgetragen, Nachhilfe und Tennistraining gegeben, in Diskotheken gekellnert, Gabelstapler gefahren. Meine erste größere Anschaffung war ein Kassettenrecorder Kenwood KX 550 HX.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?

Da kommen mir als erstes Angestellte in Fünf-Sterne-Hotels in den Sinn. Viele haben Abitur, sie sind wahnsinnig professionell und müssen immer freundlich sein. Aber die Bedingungen des Jobs: Schichtdienst, wenig Lob, sie müssen jeglichen Unmut der Gäste ertragen – und das für wenig Geld.

Was würden Sie niemals für Geld tun?

Jemandem absichtlich wehtun: weder körperlich noch seelisch.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Natürlich könnte das Haus größer, das Auto schneller und die Uhr wertvoller sein. Aber das sind nicht die wirklich wichtigen Dinge. Ich wünsche mir nachhaltige Lebenszufriedenheit.


Er stammt aus dem Münsterland (Bocholt) und lebt seit zwei Jahren in Berlin. Im August 2012 trat er den Chefposten bei der Strato AG an. In der Telekommunikationsbranche kennt er sich bestens aus. Der 43-Jährige verantwortete zuvor bei der Telegate AG den Vertrieb und war dort Mitglied der Geschäftsleitung. Zudem arbeitete er in verschiedenen leitenden Funktionen bei der 1&1 Internet AG sowie bei der Vodafone D2 GmbH. Der promovierte Diplom-Kaufmann begann seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, danach war er Unternehmensberater bei BBDO Consulting.


Wie kommen Sie ins Büro?

Viermal in der Woche im Anzug, aber ohne Krawatte. Freitags ist casual day, dann gern auch im orangen Polo-Hemd von Strato. Ansonsten im Auto.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Am meisten auf die Begrüßung durch meine Frau und unsere knapp dreijährige Tochter. Und ich freue mich, dass Feierabend ist. Meine Arbeit macht mir unheimlich Spaß. Aber die Zeit zur freien Verfügung ist besser.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Typische Musterkarrieren gibt es fast nicht mehr. Daher, liebe Schulabgänger, habt Spaß und seid strebsam zugleich. Aber nehmt Euch sechs Monate Zeit für eine Weltreise, am besten verbunden mit Praktika oder Jobs vor Ort.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Erstens: Unpünktlichkeit. Zweitens: Wenn er nichts für Notizen dabei hat. Kein Bewerber kann sich merken, was alles im Gespräch aufkommt.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Ein ordentliches Bad bauen. Es kann nicht sein, dass ich alle zwei Wochen über 100 Kilometer nach Lübbenau fahren muss, um mit unserer Tochter in ein gut beheiztes und für Kinder interessantes Freizeitbad zu kommen.

Das Interview führte Matthias Loke.

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