Es ist sicher nicht üblich, das Thema „Kulinarik“ zum Thema einer Reportage aus den Vereinigten Staaten von Amerika zu machen. Das Vorurteil, dass Amerikaner sich am liebsten von Steaks, Burgern und dunklen, kalorienreichen Softgetränken ernähren, stimmt leider nur all zu oft. Es geht aber auch anders – ebenso kalorienreich, aber mit mehr Abwechslung. Eine Spurensuche zwischen Wolkenkratzern und den Großen Seen.
Geheimtipps für Feinschmecker
Chicago gehört zu den touristischen Hotspots der USA, wenn es um Städtereisen geht. Nach New York und San Francisco auf den ersten Plätzen, kommt ganz schnell die Drei-Millionen-Metropole am Michigansee. Gründe, hierhin zu reisen, gibt es genug: Architektur, Museen oder Sportveranstaltungen. Außerdem sind die Chancen hoch, VIPs wie die Obamas oder Michael Jordan zu treffen.
Warum es aber gerade auch kulinarische Gründe gibt, einmal Chicago zu besuchen, habe ich auf einer „Food & Sugar Tour“ kennengelernt. „Jetzt wird gefuttert was das Zeug hält“, sagt Nick. Ich treffe den gut gelaunten 37-Jährigen mit Pudelmütze in der Pizzeria „Giordano´s“ in Downtown Chicago. Mit ihm mache ich heute die zweieinhalbstündige „Food & Sugar Tour“. Seit einem Jahr arbeitet er bei „Bobby's Bike and Hike“, ein Unternehmen, das solche Touren, zum Kennenlernen der Stadt anbietet. Als waschechter Chicagoer kennt Nick jeden Winkel der „Windy City“, wie Chicago gern genannt wird – wegen der „frischen Zugluft“ die von den großen Seen herüberstürmt.
„Am besten erkundet man die Stadt mit dem Rad oder zu Fuß“, sagt Nick beschwörend. „Das liegt daran, dass alles gut miteinander verbunden ist. Chicago ist unkompliziert. Nimm das! New York“, sagt Nick und lacht. Wir gehen zu Fuß.
„Der Name der Stadt leitet sich aus dem Wort Checagou ab, mit dem die Potawatomi-Indianer das Marschland beschrieben, auf dem später Chicago gegründet wurde. Es gibt Interpretationen, die das indianische Wort mit „wilde Zwiebeln“ oder „Stinktier“ übersetzen.“ Nick weiß Bescheid. Es geht heute aber ums Essen. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala rangiert in der Stadt die italienische Küche, von der „Deep-dish-Pizza“ (1953 in der Pizzeria Uno, 29 East Ohio Street kreiert) bis zu den Trattorien. Im Restaurant „Giordano´s“ gibt’s auch die „Deep Dish Pizza“. Sie sieht aus wie ein mit Käse überbackener Kuchen: Der Teig selbst bildet die Schüssel und diese wurde mit viel Mozzarella, Tomaten und Oregano bedeckt. „Diese Pizza wird so sehr mit Chicago verbunden, dass „Deep Dish“ auch als Spitzname für Jungs aus Chicago verwendet wird“, erzählt Nick. „Ich bin dann wohl ein richtiger Deep Dish“.
Pizza und Chicago – eine unzertrennliche Beziehung.
© imago/ZUMA Press
Gut gestärkt geht es weiter. Nick führt mich durch die Millennium Station. Dort befindet sich der Laden „Chicago Kernel Gourmet Popcorn“. „Du musst unbedingt probieren. Das ist der Chicago-Mix. Eine Kombi aus Käse- und Karamellgeschmack und das beliebteste Popcorn in ganz Chicago. Vorsicht, es macht gelbe Finger“, warnt Nick.
Kernel's Gourmet Popcorn Stores gibt es in der ganzen Stadt. Sie sind sehr beliebt.
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Käse-Karamell-Popcorn muss man erlebt haben.
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Mit kleinem Zuckerschock und klebrigen Fingern, geht es nun zu einigen Sehenswürdigkeiten wie dem Millennium Park, zum Marshall Field Building und zum berühmten Kunstwerk „The Bean“. Dann folgt ein Stopp im „Exchequer Pub“. „Chicago ist eine Biertrinkerstadt. 1833 gab es zwei kleine gemütliche Tavernen. Der Alkohol floss in Strömen. Erst als er in den 80ern verboten wurde, kam ein Brauer auf die Idee mit Getreide zu experimentieren. Das Craftbeer war geboren“. Nick reicht mir die Marktführer. Cheers.
Doch das Beste kommt zum Schluss. Im „The Palmer House“, dem ältesten Hotel der Stadt , gibt es eine Überraschung. Nick erzählt: „1893 wurde hier der Brownie erfunden. Die Legende ist, dass der Mann von der berühmten Chicagoerin Bertha Palmer einen Konditor darum bat, eine spezielle Süßigkeit für seine schwangere Frau zu erfinden. Das Ergebnis war der Palmer House Brownie. Besonders macht ihn seine Aprikosenglasur“. Köstlich!
Das Palmer House Hilton Brownie ist kein gewöhnlicher kuchenartiger Brownie. Es ist süß mit seiner Aprikosenglasur, samtig und dekadent.
© zVg/Lorraine Ellietty
Einfach anziehend
Chicago hat also mehr zu bieten als Steaks und Burger. Allerdings lenken die „neu entdeckten“ kulinarischen Highlights der Stadt nicht davon ab, dass sich Amerikaner gern kalorienbewusst ernähren - ohne sich der Folgen bewusst zu sein. Gourmets werden abwinken – aber Leckermäulern sei eine „Food & Sugar Tour“ durch Chicago ans Herz gelegt. „Sogar die New Yorker kommen deswegen her“. Nick lacht.
Wer Kalorien abtrainieren muss, kann eine zweite Führung buchen – bei Chicago Running Tours. Joggen am Ufer des Michigansees.
Diese Reportage wurde unterstützt von Choose Chicago.
Reise-Infos: http://www.choosechicago.com, http://www.bobbysbikehike.com,
http://https://chicagorunningtours.com
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