Die Explosionen geschahen einige Tage vor einem wichtigen Treffen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei in Peking. Auf dem sogenannten Dritten Plenum will die Partei ab diesem Sonnabend über Wirtschaftsreformen beraten und eine Art Leitlinie für die Zukunft erarbeiten. Sie kommen allerdings auch einige Tage nach dem Anschlag vor der Verbotenen Stadt in Peking. Dabei war ein Auto gegen einen Brückenpfeiler gerast, in Flammen aufgegangen, hatte fünf Menschen getötet – und die Partei aufgeschreckt. So, dass sie geradezu in Schockstarre verfiel und erst einmal alles dafür tat, den Vorfall zu vertuschen – in großer Angst, durch das Sprechen über einen „Terroranschlag“ gäbe man zu, die viel beschworene Sicherheit doch nicht garantieren zu können.
Im Rollstuhl angezündet
Auch in Taiyuan hatten sich der oder die Täter eine symbolische Stelle ausgesucht – die Partei sollte aufhorchen. Es ist aber davon auszugehen, dass die vermeintlichen Bombenleger ihre Unzufriedenheit mit der örtlichen Führung demonstrieren, womöglich auf ein Einzelschicksal verweisen wollten. Erst im Juli hatte sich ein 33-jähriger Mann am Pekinger Flughafen in seinem Rollstuhl angezündet, um auf seine Lage hinzuweisen. Der ehemalige Taxifahrer, so wurde später berichtet, sei vor acht Jahren von Polizisten verprügelt worden und so im Rollstuhl gelandet. Mit Flugblättern habe er auf sich aufmerksam machen wollen, sei aber von Sicherheitskräften daran gehindert worden. So habe er einen Sprengstoffgürtel an seinem Körper gezündet.
Gerade auch weil der Zwischenfall vor der Verbotenen Stadt die Regierung zum Handeln zwang, wird die Explosion in Shanxi besonders beachtet. Doch auch hier setzt die Partei auf ihre Reflexe: Die ersten Bilder nach der Tat ließ sie ihre Zensoren umgehend löschen.
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