Nach der Gasexplosion in einer Kohlemine in der chinesischen Provinz Shanxi mit mindestens 82 Toten haben Ermittler laut chinesischen Staatsmedien versteckte Stollen, gefälschte Pläne, fehlende Ortungstracker und als Felswand getarnte Scheintüren gefunden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Dienstag, die Betreiber der Liushenyu-Mine im Kreis Qinyuan hätten Teile des Betriebs vor den Behörden verborgen.
Die Explosion ereignete sich am späten Freitagabend (Ortszeit) in der Mine im Norden Chinas. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens 82 Bergleute getötet, zwei weitere wurden noch vermisst. 128 Menschen wurden in Krankenhäusern behandelt. Die staatliche Untersuchung läuft; die Ursache der Explosion ist noch nicht abschließend geklärt.
Reuters bezeichnete das Unglück als schwerstes Grubenunglück in China seit mehr als 15 Jahren. Die Zahl der Todesfälle in chinesischen Kohleminen sei seit Anfang der 2000er-Jahre durch strengere Vorschriften gesunken.
Scheintüren sollten Kontrolleure täuschen
Die von der Shanxi Tongzhou Coal Coking Group kontrollierte Mine soll nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zwei Sätze von Plänen und Überwachungssystemen geführt haben. Einer habe den tatsächlichen Betrieb abgebildet, ein anderer sei für amtliche Kontrollen bestimmt gewesen. So seien bestimmte Abbaubereiche der Aufsicht entzogen worden.
In den verborgenen Stollen seien laut Xinhua auch Arbeiter von Subunternehmen eingesetzt worden. Sie seien nicht, wie vorgeschrieben, mit Ortungstrackern ausgestattet und nicht offiziell als Beschäftigte unter Tage erfasst worden. Der chinesische Staatssender CCTV zeigte demnach, dass im offiziellen Logbuch 124 Beschäftigte unter Tage standen. Tatsächlich hätten sich 247 Menschen in der Mine befunden.
Laut Xinhua wurden in der Mine Drahtgitter und mit Mörtel besprühte Kunststoffsäcke eingesetzt, um Türen wie Felswände aussehen zu lassen. Arbeiter seien vor Kontrollen gewarnt worden und hätten die Scheintüren geschlossen. Die fehlenden Karten und Ortungsdaten erschwerten nach Angaben chinesischer Staatsmedien die Rettungsarbeiten.
Die Liushenyu-Mine gilt als besonders gasgefährdet. Chinesische Staatsmedien berichteten, der Betreiber habe dennoch bewusst keine Gasüberwachungstechnik installiert. Bereits 2025 sei das Unternehmen bestraft worden, nachdem Kontrolleure versteckte Arbeitsbereiche entdeckt hätten. Die illegale Produktion sei danach weitergelaufen.
Peking verlangt Aufklärung und Strafen
Laut Regierungsangaben besuchte Chinas Vizepremier Zhang Guoqing am Samstag den Unglücksort. Er verlangte eine gründliche Untersuchung der Explosion sowie die Klärung der Verantwortlichkeiten des Unternehmens, der lokalen Behörden und der Branchenaufsicht. Chinesische Staatsmedien berichteten, Verantwortliche seien festgenommen worden. Einige Bergwerke in China stoppten oder drosselten nach dem Unglück ihre Produktion für Sicherheitsprüfungen.
Shanxi gilt als wichtigste Kohleprovinz Chinas. Nach Angaben von AP wurden dort im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Tonnen Kohle gefördert, fast ein Drittel der gesamten chinesischen Förderung.
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