Chinas Staatssicherheitsministerium (MSS) hat ausländische Geheimdienste beschuldigt, mit sensorbestückten Meerestieren und technischen Geräten sensible Daten aus chinesischen Gewässern auszuspähen.
In einem am Freitag auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst WeChat veröffentlichten Beitrag mit dem Titel „Unter dem tiefen Blau brodeln die Unterströmungen“ erklärte das Ministerium, unter der Meeresoberfläche spiele sich „ein unsichtbarer Geheimkrieg um sensible Informationen“ ab. Dabei seien „Spionageschildkröten“ und „Spionagefische“ im Einsatz, um Daten aus den Meeresgebieten der Volksrepublik abzugreifen.
Nach Darstellung des Ministeriums seien in bestimmten Meeresgebieten größere lebende Meerestiere entdeckt worden, an denen Sensoren angebracht worden seien. Diese sammelten in festgelegten Zonen in Echtzeit Daten zu Wassertemperatur, Salzgehalt und Meeresströmungen und übermittelten sie per Satellit ins Ausland.
Welche Staaten hinter den mutmaßlichen Aktivitäten stehen sollen und in welchen Gewässern die Tiere gefunden wurden, teilte das Ministerium nicht mit. China verfüge über mehr als 18.000 Kilometer Festlandsküste, mehr als 14.000 Kilometer Inselküste und rund drei Millionen Quadratkilometer Hoheitsgewässer.
Weitere Geräte im Visier der Behörden
Zu den genannten Spionagemitteln zählen laut MSS auch kugelförmige Überwachungsbojen mit meteorologischen Sensoren und hochpräzisen akustischen Sensorarrays, die Geräusche aus der Umgebung sowie akustische Signaturen chinesischer U-Boote erfassen könnten. Hinzu kämen neuartige, durch Wellenbewegung und Solarenergie angetriebene Oberflächenfahrzeuge (Wellen-Gleiter), die Befehle per Satellit empfangen und Informationen zu Meeresumwelt und Schiffsaktivitäten weitergeben könnten.
Ein ausländisches Unternehmen habe zudem unter dem Vorwand „maritimer Dienstleistungen“ elektronische Ausrüstung an Frachtschiffe verkauft, die in Wirklichkeit Hafenaktivitäten in Echtzeit überwache und ein „maritimes Überwachungsnetz“ aufbaue, hieß es in dem Beitrag, den auch die staatliche chinesische Zeitung Global Times zitierte.
Welche Gefahr sieht Peking?
Die Daten zu Strömungen, Wassertemperatur und Meeresbodentopographie gefährdeten Chinas nationale, militärische und wirtschaftliche Sicherheit, erklärte das Ministerium. So ließen sich aus solchen Informationen Schwachstellen der Küstenverteidigung sowie die Verteilung von Erdöl- und Erdgasvorkommen ableiten.
Forscher, Fischer und Schiffseigner wurden zur Wachsamkeit aufgerufen und gebeten, verdächtige Geräte zu melden sowie keine Ausrüstung unbekannter Herkunft zu installieren. Wie der britische Sender BBC unter Berufung auf frühere Berichte meldete, hatten Fischer in der Vergangenheit Belohnungen von bis zu 500.000 Yuan (rund 65.000 Euro) für die Abgabe mutmaßlicher Spionagegeräte erhalten.
Verweise auf andere Länder
Der Einsatz von Meerestieren durch Streitkräfte ist nicht neu. Wie der US-Sender CBS News und die BBC berichten, verfügen sowohl die USA als auch Russland über Programme mit Delfinen. Im Jahr 2019 war vor Norwegen ein Belugawal mit Geschirr aufgetaucht, was zu Spekulationen über einen russischen Spionageeinsatz führte.
Moskau äußerte sich dazu offiziell nicht. Hintergrund der chinesischen Mitteilung sind nach Einschätzung des britischen Telegraph auch anhaltende Spannungen mit den Philippinen im Südchinesischen Meer, wo beide Länder Gebietsansprüche erheben.
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