Die Erzeugerpreise in Chinas Industrie sind im Juni um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das teilte das Nationale Statistikamt in Peking am Donnerstag mit. Es ist der stärkste Anstieg seit Juli 2022 und der vierte Zuwachs in Folge. Im Mai hatte das Plus bei 3,9 Prozent gelegen. Die Verbraucherpreise legten dagegen nur um 1,0 Prozent zu, nach 1,2 Prozent im Mai. Der Erzeugerpreisindex erfasst die Preise, zu denen Industriebetriebe ihre Waren ab Werk verkaufen.
Dong Lijuan, Chefstatistikerin des Nationalen Statistikamts, führte den geringeren Anstieg der Verbraucherpreise in der amtlichen Auswertung auf saisonale Einflüsse und Schwankungen an den internationalen Märkten zurück. Gegenüber dem Vormonat Mai gaben die Erzeugerpreise um 0,3 Prozent nach, weil die internationalen Rohölpreise nach der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran deutlich gesunken seien. Die Preise in der Ölförderung fielen binnen Monatsfrist um 16,0 Prozent.
Kohle und Elektronik treiben Preise nach oben
Der Jahresanstieg der Erzeugerpreise geht laut Statistikamt vor allem auf einzelne Branchen zurück. Die Kohleförderung verteuerte sich binnen Jahresfrist um 20,6 Prozent, der Bergbau für Nichteisenmetalle um 25,5 Prozent. Auch Preise für elektrische Maschinen, Computer- und Kommunikationstechnik sowie Stahl zogen an. Rückläufig waren dagegen die Preise in der Getränke- und Teeverarbeitung sowie in der Autoindustrie, die um 2,1 Prozent nachgab.
Die Nachrichtenagentur Reuters wies darauf hin, dass der hohe Jahreswert auch auf ein niedriges Preisniveau im gleichen Vorjahresmonat zurückgeht. Julian Evans-Pritchard vom britischen Wirtschaftsforschungsinstitut Capital Economics sagte Reuters, die jüngste Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran könne die Preise kurzfristig weiter steigen lassen. Sobald sich die Energieversorgung normalisiere, dürfte die Teuerung aber wieder in Richtung null zurückgehen.
Schwache Nachfrage im Inland
Der chinesische Wirtschaftsdienst Caixin bewertete die Zahlen als Zeichen einer weiterhin starken Angebotsseite bei schwacher Binnennachfrage. Die Kernrate der Verbraucherpreise, in der schwankungsanfällige Nahrungsmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden, stieg im Juni um 1,0 Prozent und damit so langsam wie seit Januar nicht mehr. Die Lebensmittelpreise gingen im Jahresvergleich um 1,6 Prozent zurück, Schweinefleisch verbilligte sich um 15,9 Prozent.
Lynn Song, Chefökonom für Großchina bei der Bank ING, sagte Reuters, China bewege sich von einem Zustand nahe der Deflation, also allgemein sinkender Preise, hin zu einer leichten Teuerung. Bei diesem Preisniveau habe die chinesische Notenbank weiter Spielraum, geldpolitisch zu handeln, wenn sie dies für nötig halte. Zhaopeng Xing von der Bank ANZ verwies gegenüber Reuters darauf, dass Peking mit einer Zinssenkung im Jahr 2026 weiter abwarten könne.
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