Christian Gentner

Warum der Routinier ausgerechnet zum 1. FC Union gewechselt ist

Der 33-Jährige spricht auch über seinen Abschied aus Stuttgart.

Mathias Bunkus
4 Min
Hat beim Training noch Nachholbedarf: Christian Gentner.

Hat beim Training noch Nachholbedarf: Christian Gentner.

© matthias koch

Als Vaterfigur will sich Gentner aber nicht verstanden wissen. „Natürlich will ich meine Erfahrung mit einbringen, den Jungs helfen. Aber die Mannschaft hat gute Strukturen. Christopher Trimmel, Sebastian Polter und Manuel Schmiedebach haben den Laden schon sehr gut im Griff, da muss ich nicht wie in Stuttgart als Kapitän vorangehen“, sagt der 377-fache Bundesligaspieler.

Von seinem Leistungsvermögen ist er nach wie vor überzeugt. „Ich wollte einfach weiter auf hohem Niveau Fußball spielen. Mein Körper hat mir noch keine Stopp-Signale gesendet. Ich wache nicht jeden Tag auf und mir tut etwas weh. Von daher habe ich das Interesse mit Freude zur Kenntnis genommen“, bekennt der Schwabe, der auch ein Engagement in Australien oder in den USA reizvoll gefunden hätte.

Nach dem für ihn unerwarteten VfB-Abstieg konnte er aber nur kurzfristig planen. Und Unions Angebot, das ihn vor rund drei Wochen im Urlaub erreichte, entsprach seinen Anforderungen. „Ich wollte da spielen, wo es um etwas geht. Und wenn zwischen Union und mir alles passt, kann man sich gerne zusammensetzen und im Winter darüber sprechen, ob man länger als nur ein Jahr zusammenarbeitet“, lautet seine Vision.

Abstieg mit Stuttgart tat weh

Was ihn im positiven Falle in Köpenick erwarten kann, hat er am 27. Mai auf der anderen Seite leidvoll miterleben müssen. Stimmung pur und eine begeisterungsfähige Anhängerschaft. Der Moment des Köpenicker Triumphs war für den gebürtigen Nürtinger eine schwarze Stunde mit Stuttgart. Es war, nach 2016, der zweite Abstieg des langjährigen VfB-Kapitäns innerhalb kürzester Zeit mit den Schwaben.

„Das tat deutlich mehr weh als die Tatsache, dass ich keine Vertragsverlängerung bekommen habe. Da hätte ich mir nur etwas früher Offenheit gewünscht, auch wenn ich mich ein klein wenig innerlich drauf einstellen konnte. Aber ich weiß ja, was der Abstieg für den VfB und die Region bedeutet. Ich habe aber auch kein Problem damit, ausgerechnet zu Union zu wechseln. Wir haben die Bundesliga nicht in der Relegation gegen Union verspielt, sondern in der Saison zuvor, weil wir nur 28 Punkte geholt haben. Da hat einiges nicht gestimmt“, sagt Gentner rückblickend.

Die ersten Begegnungen hat der zweifache Familienvater dennoch in positiver Erinnerung. „Ich kenne die Atmosphäre noch von vor drei Jahren aus den Punktspielen. Union hat sich in den letzten Jahren fantastisch entwickelt. Dieser Zusammenhalt kann ein ganz großes Plus im Abstiegskampf werden“, prophezeit er.

Natürlich war es dennoch ein komisches Gefühl, knapp vier Wochen später genau dort euphorisch empfangen zu werden, wo er zuvor abgestiegen war. „Das ’Fußballgott’ gilt ja nicht mir alleine. Das habe ich dann schnell bemerkt“, erklärt der Mittelfeldspieler. Als größten Pluspunkt in dieser Saison sieht er, dass − anders als beim VfB − jeder von der ersten Minute an weiß, dass es nur um den Klassenerhalt geht und sich so keiner trügerischen Sicherheit hingeben kann.

Trainingsrückstand aufholen

Er kann auch mögliche Vorbehalte bezüglich des Alters verstehen. Ein bisschen hat die Verpflichtung des zweifachen Deutschen Meisters (2007 mit dem VfB und 2009 mit Wolfsburg) alle überrascht. Letztlich ist aber jedem in Köpenick klar, dass nur mit jungen Wilden die Mission Klassenerhalt nicht zwingend erfolgsversprechend ist. Erfahrung tut not. Zudem scheint die Überzeugung bei den Union-Verantwortlichen gereift zu sein, dass Arbeitsbiene Schmiedebach 34 Spiele am Stück bei seiner kraftraubenden Spielweise in der Eliteliga kaum durchexerzieren kann.

Noch kann Gentner aber nicht wirklich mithelfen. Es gilt, in Windischgarsten einen Trainingsrückstand aufzuholen. „Ich habe mich zwar wie immer im Sommer mit meinem Programm fitgehalten, habe meine Läufe gemacht und Stabi-Übungen. Wichtig ist, dass ich nun so schnell wie möglich komplett im Teamtraining mitmachen kann.“

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