Am 15. Juni 1961 spricht Walter Ulbricht zum ersten Mal öffentlich von einer Mauer. "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", behauptet der Staats- und Parteichef der DDR. Das ist verräterisch, denn er antwortet einer Journalistin, die gar nicht nach einer Mauer gefragt hat. Ähnlich wie bei der Öffnung der Mauer 1989 kommt das Wichtigste hier eher beiläufig auf einer Pressekonferenz heraus und wird in seiner Dimension von vielen Zuhörern nicht sofort begriffen.Am 13. August 1961 um ein Uhr morgens marschieren bewaffnete Einheiten der DDR an den Grenzen zu West-Berlin auf. Sie schließen die meisten Übergänge, errichten massive Barrieren und Stacheldrahtzäune, wie hier am Potsdamer Platz. Offiziell soll die Absperrung die "feindliche Tätigkeit" des Westens verhindern und den Frieden sichern, tatsächlich wird der Flüchtlingsstrom von DDR-Bürgern in den Westen gestoppt.Am 18. August 1961 ersetzen Bauarbeiter das erste längere Stück Zaun durch eine Mauer. Auch Fenster und Türen von Häusern an der Grenze werden zugemauert. Später lässt die DDR-Führung solche Häuser abreißen, um Platz für den berüchtigten "Todesstreifen" zu schaffen. Geleitet werden die Maßnahmen zunächst vom späteren Staats- und Parteichef Erich Honecker.Am 25. Oktober 1961 stehen sich am Checkpoint Charlie amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber - wohl beide mit scharfer Munition. Zuerst hatten die USA Panzer auffahren lassen, als DDR-Grenzer versuchten, amerikanische Militärs zu kontrollieren - ein klarer Verstoß gegen den Viermächtestatus der Stadt.Auch nach dem Mauerbau versuchen viele DDR-Bürger, nach West-Berlin zu fliehen, beispielsweise durch die Kanalisation. Werden sie entdeckt, drohen ihnen mehrjährige Haft oder der Tod: Am 24. August 1961 wird in der Nähe der Charité der erste Flüchtling erschossen.Am 18. Juni 1962 erschießt der Fluchthelfer Rudolf Müller den DDR-Grenzer Reinhold Huhn. Im Westen verbreiten BND, Politiker und Medien, die "schießwütigen Vopos" selbst hätten Huhn getroffen. In der DDR gilt Huhn als Held, eine Straße wird nach ihm benannt. Erst im Jahr 2000 wird Müller wegen Mordes verurteilt.Am 17. August 1962 schießen DDR-Grenzer in der Nähe des Checkpoint Charlie auf den Flüchtling Peter Fechter. Danach lassen sie ihn 50 Minuten lang im Todesstreifen verbluten, ohne zu helfen. Für die Berliner war das ein Schock. In West-Berlin gab es tagelang Demonstrationen. Zeitweise musste die West-Berliner Polizei die Mauer schützen. Die Amerikaner wurden heftig kritisiert, weil auch sie nicht versucht hatten, Fechter zu retten.Zu Weihnachten 1963 einigten sich West-Berliner Senat und DDR auf ein Passierscheinabkommen. Mehrere Hunderttausend West-Berliner konnten nach 28 Monaten wieder ihre Verwandten und Freunde in Ost-Berlin besuchen. Mit dem Abkommen begann die neue Ostpolitik von Willy Brandt und Egon Bahr. Die Mauer wurde dadurch von West nach Ost immer durchlässiger.Am 12. Juni 1987 spricht US-Präsident Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor. Er beruft sich auf die Politik der Offenheit und Reformen des neuen sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow und fordert ihn auf: "Mr. Gorbatchow: Tear down this wall!" (Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!)Am 1. Juli 1988 ereignet sich am Lenné-Dreieck die wohl einzige Massenflucht von West nach Ost. Durch einen Gebietsaustausch geht das nicht von der Mauer umschlossene Ost-Berliner Gelände am Potsdamer Platz an West-Berlin über. Seit Mai ist es jedoch von Alternativen besetzt. Diese fliehen nun vor der West-Berliner Polizei - mit Hilfe der DDR-Grenzer und über die Mauer.Am 9. November 1989 spricht der SED-Funktionär Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz auch über das neue Reisegesetz. Den DDR-Bürgern würden problemlos Visa erteilt, sagt Schabowski: "Nach meiner Kenntnis . . . sofort, unverzüglich. " Das stimmt zwar nicht, doch die Ost-Berliner sind schon auf dem Weg zur Grenze. Unter ihrem Druck wird zuerst der Übergang Bornholmer Straße geöffnet. Die Mauer hat ihre Aufgabe verloren, binnen eines Jahres verschwindet sie fast vollständig. (hsp. )
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