Die Ähnlichkeit war frappierend: die eher kleine, athletisch gedrungene Statur, die großen schwarzen Augen, die asketischen Gesichtszüge, der sich andeutende Haarkranz, auch wenn der noch nicht silbrig-weiß war wie beim alten Picasso. Matrosenpullis und Espadrilles trug Claude Picasso allerdings nicht. Als wir ihn im Herbst 2000 in der Neuen Nationalgalerie Berlin trafen, wo er den Aufbau der Picasso-Ausstellung „Die Umarmung“ betreute, hatte er eine lässige Lederjacke an; abends zur Vernissage kam er in einem Anzug im poppigen New Yorker Stil.
Das Methusalem-Gen haben ihm seine Erzeuger nicht vererbt. Picasso senior wurde 92. Seine Mutter, die Malerin Françoise Gilot, verstarb im Juni im Alter von 101 Jahren in New York. Claude Picasso verließ diese Welt als 76-Jähriger, hinterlässt seine Ehefrau Sylvie Vautier-Picasso und zwei erwachsene Kinder, Jasmin und Solal. Wie sein Anwalt den Medien mitteilte, starb er am 24. August in der Schweiz. Näheres, etwa über eine schwere Krankheit, ist nicht bekannt. Nur, dass er im Juni die ihm 1975 vom Picasso-Clan aufgetragene Nachlassverwaltung des Erbes an seine zwei Jahre jüngere Schwester, die Designerin Paloma Picasso, übergeben hat. Das lässt vermuten, dass es ihm schon nicht mehr gut ging.
Picassos Sohn
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Ein Genie der Diplomatie und Freundschaft
Damals, vor fast 23 Jahren, bei unserem Gespräch in der Neuen Nationalgalerie, nannte er seine Rolle als Hüter des riesigen Picasso-Werkes „Segen und Fluch“ zugleich. Denn eigentlich hatte er sich sein Leben ganz anders gedacht, nach dem Studium von Film und Design in New York. Zu dieser Zeit erlebte er erste Achtungserfolge als Fotograf, als Assistent des Fotostars Richard Avedon. Außerdem legte er hoffnungsvolle Regiearbeiten vor. „Meine eigene Kunst war gerade im Werden“, sagt er damals. Und das klang ein klein wenig resignierend, nach Verzicht, wie in der Erzählung eines passionierten Sportpiloten, der nie mehr selbst am Ruder sitzen würde.
Er übernahm jedoch klaglos die Last der Verantwortung für ein bis heute unfassbares Œuvre. Picassos zweiter Sohn (der erste war Paolo, dessen Mutter die Tänzerin Olga Kochlova) wurde von Kind an Zeuge einer exzessiven und katastrophal geendeten Liebesbeziehung des genialen Vaters und Machos mit Françoise Gilot, die in ihrer Biografie schrieb, sie sei „die siebte Frau von König Blaubart“ gewesen, also erwies sich als Genie der Diplomatie und Freundschaft im gerade wegen der vielen Frauengeschichten und Nachkommen des libidinösen Spaniers hoch komplizierten und lange zerstrittenen Picasso-Clans. Claude Ruiz-Picasso, wie sein vollständiger Name lautete, war mit dieser Gabe fast fünf Jahrzehnte hinweg ein exzellenter Verwalter des väterlichen Nachlasses und der Picasso Administration, die Werke authentifiziert und sich um alle Rechtefragen kümmert.
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