Und wer hat’s erfunden? Was Coffeeshops angeht, die Niederlande. Seit 1976 wird der Besitz von Cannabis dort strafrechtlich nicht mehr verfolgt. In den knapp 700 Coffeeshops des Landes darf seither Cannabis in Mengen von bis zu fünf Gramm abgegeben werden.
Aber gelöst hat das die Probleme nicht. „Falschparker kommen hier nicht rein“, mit diesem Verbotsschild etwa grüßte einst ein Coffeeshop in Venlo an der deutsch-niederländischen Grenze seine Besucher. Drogentouristen waren ein einträgliches Geschäft, das Grenzstädtchen Maastricht etwa zieht am Wochenende Kiffer aus Deutschland, Frankreich und Belgien an, der geschätzte Umsatz liegt bei rund 150 000 Euro – am Wochenende.
Immer diese Drogentouristen
Oder vielmehr lag. Denn der geschätzte Ärger mit den meist jungen Drogentouristen war noch größer. Unter anderem deshalb führte die niederländische Regierung von Premierminister Mark Rutte zum 1. Mai des vergangenen Jahres lautstark einen sogenannten Wietpas ein. Der ist zwar still und leise wieder gestoppt worden, aber dennoch ist der Zutritt zu niederländischen Coffeeshops nur noch Holländern beziehungsweise in den Niederlanden gemeldeten Menschen erlaubt. Ausländer müssen draußen bleiben. Oder mussten.
Denn massenhaft mussten Coffeeshops schließen oder Mitarbeiter entlassen, es gab sogar Schadenersatzklagen gegen den niederländischen Staat. Dort setzt langsam ein Umdenken ein. Maastrichts Bürgermeister Onno Hoes kündigte zuletzt an, er wolle die Zugangsbeschränkungen überprüfen. Von Ruttes Drogenstrenge ist also wenig geblieben.
Die Duldung von leichten Drogen wie Cannabis mindert zum Beispiel die Beschaffungskriminalität. Es löst aber nicht alle Fragen. So bleibt ein Hintertürchen bei den Coffeeshops offen. Zwar darf das Gras vorne legal am Tresen verkauft werden. Niemand fragt aber, wo es eigentlich herkommt. Der Anbau ist nämlich weiter nur für medizinische Zwecke erlaubt. Rund um die Coffeeshops blüht also ein Lieferschwarzmarkt.
Der Grüne Finger der Niederländer
Auch ein anderes Problem stellt sich. Auf fünf Gramm ist der Verkauf beschränkt. Aber die Niederländer haben nun mal einen grünen Finger – auch bei Cannabis. Wo früher der Anteil des berauschenden Tetrahydrocarbinol (THC) bei drei Prozent notierte, liegt er jetzt bei 13,5 Prozent. Zwar ist die Tendenz wieder fallend. Aber der hohe THC-Anteil hat umwerfende Folgen – vor allem für ungeübte Urlaubskiffer aus dem Ausland.
Längst setzt deshalb ein Umdenken ein. Städte wie Amsterdam geben zwar viel auf ihr liberales Image, sie wollen aber weg vom billigen Cannabistrip, auch deshalb werden eine Reihe von Coffeeshops in der Stadt geschlossen.
Kreuzberg hat also die Wahl. Auf seine Liebenswürdigkeit zu setzen oder Berlin weiter zum nördlichen Ballermann im märkischen Sand sinken zu lassen.
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