Gazakrieg

„Free Mahmoud“: Columbia-Präsidentin heftig ausgebuht

Bei einer Abschlussfeier wird die Präsidentin der Eliteuniversität Columbia mit Zwischenrufen konfrontiert. Auslöser: die Festnahme des Studenten Mahmoud Khalil.

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Studierende in blauen Abschlussroben posieren im April 2024 für Fotos auf den Stufen der Columbia University. Im Hintergrund halten pro-palästinensische Proteste an.

Studierende in blauen Abschlussroben posieren im April 2024 für Fotos auf den Stufen der Columbia University. Im Hintergrund halten pro-palästinensische Proteste an.

© Edna Leshowitz/Imago

Bei einer Abschlussfeier der Columbia University ist die geschäftsführende Universitätspräsidentin Claire Shipman ausgebuht worden. Während ihrer Rede am Dienstag skandierten Studierende „Free Mahmoud“, mit Blick auf den kürzlich festgenommenen Absolventen Mahmoud Khalil.

Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie Shipman zur Abschlussfeier ans Rednerpult tritt. Anfangs wird sie mit Applaus empfangen, doch schon nach wenigen Sekunden kommt es zu Buhrufen. Schließlich rufen Teile des Publikums über eine Minute lang „Free Mahmoud!“.

Zu Beginn ihrer Rede zeigte sich Shipman einsichtig gegenüber der Kritik: „Ich weiß, dass viele von euch eine gewisse Frustration mir und der Universitätsleitung gegenüber empfinden“, sagte sie. „Ich bin immer offen für Rückmeldungen – die bekomme ich ja gerade“, fügte sie hinzu. Nach nahezu jedem Satz folgte eine neue Welle von Buhrufen.

Khalil, ein in den USA lebender Columbia-Absolvent, war im März von US-Einwanderungsbehörden festgenommen worden. Grund dafür soll seine Beteiligung an pro-palästinensischen Protesten auf dem Campus gewesen sein. Trotz seiner Abwesenheit wurde Khalils Name während der Abschlusszeremonie verlesen, als die Absolventen ihre Diplome entgegennahmen. Wie in den Videos zu sehen ist, löste das lauten Jubel unter den Anwesenden aus.

Trump-Regierung wirft Columbia vor, jüdische Studierende nicht ausreichend geschützt zu haben

Nach anhaltender Kritik am Umgang mit pro-palästinensischen Protesten auf dem Campus trat Columbia-Präsidentin Nemat „Minouche“ Shafik im Sommer vergangenen Jahres zurück. Zunächst übernahm Katrina Armstrong kommissarisch die Leitung der Universität. Doch im Zuge anhaltender Spannungen mit der US-Regierung von Donald Trump kam es Ende März erneut zu einem Führungswechsel: Shipman wurde zur geschäftsführenden Präsidentin ernannt.

Die Hochschule erklärte sich bereit, ihre Richtlinien für Proteste, Sicherheitsregeln und die Abteilung für Nahost-Studien umfassend zu überarbeiten. Zuvor hatte die US-Regierung Druck gemacht mit der Ankündigung, 400 Millionen US-Dollar (etwa 368 Millionen Euro) an Bundesmitteln für die Uni nur bei weitreichenden Änderungen wieder freizugeben.

Die Regierung hatte der New Yorker Hochschule vorgeworfen, sie habe jüdische Studierende nicht ausreichend vor Belästigungen und Bedrohungen auf dem Campus geschützt.

Für großes Aufsehen hatte der Fall Khalil gesorgt. Die US-Regierung warf ihm unter anderem vor, auf dem Campus Flugblätter mit Hamas-Symbolen verteilt zu haben, und will ihn abschieben. Dabei besitzt der mit einer Amerikanerin verheiratete Student seiner Anwältin zufolge eine Greencard und damit eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in den USA.

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