Ranjani Srinivasan, eine indische Doktorandin an der Columbia University, hat sich „selbst abgeschoben“, nachdem ihre Aufenthaltsgenehmigung von der Trump-Regierung aufgehoben worden war. Dies teilten die US-Behörden mit. Im vergangenen Jahr hatte die Studentin an Protesten gegen den Gazakrieg auf dem Campus der Eliteuniversität teilgenommen.
In einem Interview mit der New York Times sagte die 37-Jährige, sie habe beschlossen, aus den USA zu fliehen, nachdem die Einwanderungsbehörden vor etwas mehr als einer Woche in ihrer Universitätswohnung aufgetaucht seien. Sie habe die Tür nicht geöffnet. Als sie erneut mit einem Durchsuchungsbefehl kamen, war sie bereits in Kanada. Wie sie erklärt, war sie vor ihrer Flucht darüber informiert worden, dass das US-Außenministerium ihr Visum „ohne Begründung“ widerrufen hatte. Dies habe die Columbia University veranlasst, ihr die Immatrikulation zu entziehen, „weil ihr rechtlicher Status aufgehoben worden war“.
In der Mitteilung des US-Heimatschutzministeriums heißt es, die Promovendin sei „an Aktivitäten zur Unterstützung der terroristischen Organisation Hamas beteiligt“ gewesen. „Es ist ein Privileg, ein Visum zu erhalten, um in den Vereinigten Staaten von Amerika zu leben und zu studieren“, sagte Ministerin Kristi Noem. „Wenn Sie für Gewalt und Terrorismus eintreten, sollte dieses Privileg entzogen werden, und Sie sollten sich nicht in diesem Land aufhalten. Ich freue mich, dass einer der Sympathisanten der Terroristen der Columbia University die CBP Home App zur Selbst-Abschiebung genutzt hat“. Die CBP-App war ursprünglich für Einwanderer gedacht, die damit Asyl beantragen konnten. Unter der US-Regierung von Donald Trump wurde sie für Abschiebungen umfunktioniert.
Srinivasan und ihre Anwälte bestreiten die Vorwürfe und werfen der Trump-Administration vor, ihr Visum wegen „geschützter politischer Äußerungen“ zu widerrufen. Laut der US-Regierung habe die Studentin bei der Verlängerung ihres Visums im vergangenen Jahr zwei Vorladungen im Zusammenhang mit Protesten gegen den Gazakrieg auf dem Columbia-Campus nicht offengelegt.
Gaza-Proteste: USA nehmen palästinensischen Aktivisten fest, Rubio will ihn abschieben
Festnahme von Mahmoud Chalil
US-Behörden hatten bereits den palästinensischen Studenten Mahmoud Chalil festgenommen, der bei den Gaza-Protesten eine führende Rolle gespielt hatte. Laut Medienberichten ist er in eine Haftanstalt in den US-Bundesstaat Louisiana gebracht worden.
Hunderte jüdische Aktivisten hatten am Donnerstag den Trump Tower in New York gestürmt und die Freilassung des Studenten und Aktivisten gefordert. Mehrere Menschen wurden von der Polizei abgeführt. Nach Angaben der Polizei wurden 98 Menschen unter anderem wegen des Vorwurfs des unerlaubten Betretens festgenommen.
Trump bezeichnete Chalil in einem Post auf seiner Online-Plattform Truth Social als „radikalen ausländischen Pro-Hamas-Studenten“. Er werde ihn zusammen mit anderen, die an „pro-terroristischen, antisemitischen und antiamerikanischen Aktivitäten“ beteiligt seien, aus den USA abschieben. Das Vorgehen der Behörden basiert auf einem Dekret Trumps zur Bekämpfung von Antisemitismus.
Im Gegensatz zu Chalil sagte Srinivasan, sie sei keine Aktivistin oder Mitglied einer Gruppe, die hinter den Demonstrationen auf dem Campus stehe.
Im vergangenen Jahr kam es an zahlreichen US-Universitäten, darunter auch die Columbia University, zu gewalttätigen Protesten rund um den 7. Oktober 2023 und den darauffolgenden Gazakrieg. Ende vergangener Woche hatte die US-Regierung die staatliche Unterstützung für die renommierte New Yorker University um 400 Millionen Dollar gekürzt. Grund dafür sei „die fortgesetzte Untätigkeit“ der Einrichtung „angesichts der anhaltenden Schikanen gegen jüdische Studenten“.
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