Etwa 14 Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer zum Schutz vor dem Coronavirus sollen zwischen Herbst und November ausgeliefert werden. Gleichzeitig jedoch musste Vakzin aus den Beständen des Bundes vernichtet werden, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Allein im ersten Quartal dieses Jahres waren das etwa 29 Millionen Impfdosen. „Weitere Zahlen befinden sich derzeit in der Konsolidierung“, teilte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf Anfrage der Berliner Zeitung mit.
Lauterbach wirbt derzeit für die Kampagne gegen Covid-19 in diesem Herbst und Winter. Der 60 Jahre alte Mediziner zeigte sich zu Wochenbeginn öffentlich bei einer Auffrischungsimpfung gegen das Virus. Der Minister weiß inzwischen aus Erfahrung um die Tücken der Bevorratung mit Vakzinen, die schließlich ein beschränktes Haltbarkeitsdatum aufweisen: Die Nachfrage ist schwer zu prognostizieren, das Angebot war zuletzt offensichtlich zu groß. Laut Gesundheitsministerium war bei 29 Millionen Dosen während der ersten drei Monate dieses Jahres das Haltbarkeitsdatum überschritten.
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Etwa 18 Millionen Dosen des Präparats Comirnaty von Biontech/Pfizer waren den Angaben zufolge während dieses Zeitraums „verfallen und wurden der fachgerechten Entsorgung zugeführt“. Das galt zudem für fünf Millionen Dosen von Spikevax des Herstellers Moderna sowie sechs Millionen Dosen Nuvaxovid von Novavax. „Mit Ausnahme von 8,4 Millionen in dieser Legislatur bilateral beschafften Impfdosen war die Beschaffung der Impfstoffdosen in den EU-Verträgen angelegt, die 2020 im Rahmen der Impfstoffstrategie abgeschlossen wurden“, teilte das Ministerium schriftlich mit. Von eben jenen 8,4 Millionen Impfstoffdosen, die Deutschland direkt bezog, sind demnach 3,9 Millionen in den Beständen des Bundes verfallen.
Seit Beginn der Corona-Schutzimpfungen im Dezember 2020 mussten 54 Millionen Impfdosen bis zum Dezember 2022 entsorgt werden. Bis Anfang April dieses Jahres wurden dagegen laut Gesundheitsministerium 192,2 Millionen Dosen verabreicht. 63,6 Millionen Menschen sind mindestens zweimal geimpft. Die sogenannte Grundimmunisierung haben durchschnittlich 76,4 Prozent, eine Auffrischung haben 62,2 Prozent erhalten. 22,1 Prozent sind nicht geimpft. Berlin bewegt sich mit 78,1 Prozent grundimmunisierter Personen knapp über dem Bundesdurchschnitt.
Keine Angaben zum finanziellen Verlust
Über die Höhe des wirtschaftlichen Verlusts konnte das Ministerium keine Angaben machen. „Mit der Annahme des Impfstoffs durch den pharmazeutischen Großhandel obliegt diesem beziehungsweise im Anschluss den Apotheken sowie Ärztinnen und Ärzten die sachgemäße Handhabung und fachgerechte Entsorgung“, hieß es weiter. Daher sei ein finanzielles Gesamtvolumen nicht zu beziffern.
Die Verträge, die die EU mit verschiedenen Pharmakonzernen ausgehandelt hat, unterliegen der Geheimhaltung. Im vergangenen Januar berichtete ein Rechercheteam von NDR, WDR und SZ, dass eine im Herbst 2021 erworbene Einzeldosis der Marke Biontech etwa 23 Euro gekostet habe.
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Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt unterdessen eine jährliche Auffrischungsimpfung für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und einem erhöhten Infektionsrisiko. Dazu zählen über 60-Jährige, Menschen im Alter ab sechs Monaten mit Grunderkrankungen, Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Gesunde Kinder und Jugendliche müssen sich nicht mehr impfen lassen. Allen anderen zwischen 18 und 59 Jahren empfiehlt die Stiko eine Grundimmunisierung mit zwei Dosen.
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In Deutschland ist nun die aktuelle Kampagne angelaufen. Zusätzlich zum Umfang von 14,1 Millionen Impfdosen der Marke Comirnaty, die auf die neue Virusvariante XBB.1.5 ausgerichtet sind, sollen im Herbst und Winter weitere Präparate zur Verfügung stehen. Bis auf weiteres werden 13,6 Millionen Dosen für Menschen ab zwölf Jahren, 300.000 für Kinder zwischen fünf und elf Jahren sowie 200.000 Dosen für Kleinkinder erwartet.
Soweit zugelassen, liefert allerdings auch Novavax im bevorstehenden vierten Quartal voraussichtlich 10,6 Millionen Dosen aus, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Moderna kündigte ebenfalls ein angepasstes Vakzin an. Im Zentrallager des Bundes befinden sich unterdessen für die Virusvarianten BA.4 und BA.5 insgesamt rund 58,7 Millionen Dosen, davon 47 Millionen des Anbieters Biontech/Pfizer. „Wie viele Impfdosen verfallen, hängt maßgeblich von der Impfbereitschaft der Bevölkerung ab“, erklärte der Ministeriumssprecher.
Für die nähere Zukunft dürfte eine Basisversorgung mit Impfstoff gesichert sein. Deutschland hat sich gegenüber Biontech/Pfizer verpflichtet, in den kommenden zwei Jahren insgesamt 29,8 Millionen Dosen abzunehmen. 2025 umfasst diese Garantie 15,6 Millionen Dosen der Marke Comirnaty. In diesem Jahr beträgt das gesicherte Kontingent 17,5 Dosen. Mit Moderna gibt es solche bindenden Vereinbarungen nicht.
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