Dabei braucht der Bezirk Räume für Kultur

Lichtenberg will das Theater nicht

Claudia Fuchs
3 Min

KARLSHORST. Seit im März im Theater Karlshorst der letzte Vorhang gefallen ist, sucht die Wohnungsbaugesellschaft Howoge einen neuen Betreiber für das Haus. "Wir haben Anzeigen geschaltet und mehrfach Interessierte durch das Haus geführt", sagt Howoge-Sprecherin Angela Reute. Aus Sicht der Howoge wäre der Bezirk ein idealer Nutzer für das Theater. Denn dessen Kulturhaus ist völlig marode. Es soll deshalb abgerissen und durch einen privat finanzierten Neubau ersetzt werden. Der Bezirk würde dort dann Räume mieten. Mit der Bezirkskultur in das alte Theater ziehen will Kulturstadträtin Katrin Framke (Die Linke) nicht. Der Saal sei zwar "zauberhaft", aber alles leider viel zu groß. Außerdem seien die Heiz- und Betriebskosten immens hoch und der große Saal wegen seiner Schräge für Tanzveranstaltungen ungeeignet. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) ist anderer Ansicht. "Aus städtebaulicher Sicht plädiere ich dafür, dass der Bezirk das Theater nutzt", sagt er. Die Kosten dafür wären in etwa so hoch wie für die Miete in einem Neubau. Das Angebot der Howoge sei eine gute Lösung. "So eine Chance kommt so schnell nicht wieder." Der Bezirk könne kein Interesse haben, das denkmalgeschützte Theater leer stehen zu lassen.Die Kulturstadträtin sieht aber den Senat in der Pflicht. "Mir wäre daran gelegen, dass der Senat seine Verantwortung für den Ort erkennt und gemeinsam mit der Howoge ein Konzept zur kulturellen Nutzung des Hauses entwickelt." Auf solche Vorschläge reagiert die Howoge verstimmt, hatte sie doch dem Bezirk angeboten, die Schräge im Saal zu entfernen und selber 1,5 Millionen Euro in das Haus zu investieren. "Uns wurde das Haus 1994 übergeben, aber wir sind keine Kulturmanager", sagt Reute.Karin Müller, die letzte Intendantin des Theaters, glaubt nicht an eine Zukunft des Hauses. "Ich sehe da keine Chance mehr", sagt sie. Die Technik im Haus stamme aus den 1940er-Jahren, der TÜV verlange stets Ausbesserungen. Mit 400 000 Euro Reparaturkosten ist es dort nicht getan", sagt Müller.Noch im November will das Bezirksparlament entscheiden, ob das Kulturhaus in den Neubau zieht.------------------------------Von der Russenoper zum TheaterDas neoklassizistische Gebäude an der Treskowallee wurde 1948 als "Haus der Offiziere" für die in Karlshorst stationierten sowjetischen Alliierten errichtet.Im Volksmund hieß das Haus "Russenoper", bis 1963 war es sowjetischen Militär- und Zivilangehörigen vorbehalten.Nach dem Abzug der Alliierten ging die denkmalgeschützte Immobilie an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge, ein Verein betrieb das Haus als Theater weiter.Die Chefin einer Künstleragentur übernahm im April 2000 das Theater, geboten wurden vorrangig Operetten, Ballett und populäre Musik. Am 31. März 2007 wurde der Theaterbetrieb eingestellt.------------------------------Foto: Ort voller Geschichte: das alte Theater am S-Bahnhof Karlshorst.

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