„Damit fördern wir das Vertrauen der chinesischen Kunden in unsere Produkte und zeigen unsere Zuversicht in die prosperierende Zukunft in diesem Markt“, sagte Hubertus Troska, der China-Chef von Daimler, bei der Eröffnungsfeier am Montag. Niedrigere Produktionskosten als zu Hause in Deutschland verhehlte das Unternehmen nicht. Laute Bässe kamen aus den Boxen, Tänzer wirbelten zwischen den Bühnenwänden und die chinesischen Arbeiter brüllten den Countdown – bis sechs Motoren, in Nebel gehüllt, vor die Füße der Führungsriege rollten.
Gier nach Luxusprodukten
Es ist der nächste Schritt, den Daimler geht, um in der Aufholjagd auf dem chinesischen Markt nicht noch weiter hinter BMW und Audi zurück zu fallen. 400 Millionen Euro hat BBAC in das Werk investiert. Zu spät waren die Stuttgarter in die Produktion vor Ort eingestiegen. Zu umständlich gestaltete sich der zweigleisige Vertrieb von Autos – die aus Deutschland importierten und denen, die in China gebaut wurden.
Absatz: Die Nachfrage aus China und den USA hatte den Absatz von Daimler zuletzt besonders stark getrieben. Die Absatzzahlen in China steigen von Jahr zu Jahr. Seit 2008 hat sich die Zahl der verkauften Pkw mehr als verdoppelt. Daimler baut Autos der Marke Mercedes-Benz in Sindelfingen, Bremen und Rastatt, im ungarischen Kecskemet, in Tuscaloosa (US-Bundesstaat Alabama), im südafrikanischen East London und zusammen mit BAIC in China.
Umso vehementer drängt das Unternehmen jetzt genau in dieses Feld. 200.000 Fahrzeuge verkaufte Daimler im vergangenen Jahr in China. Nach Deutschland und den USA ist das Land, das trotz aller Bescheidenheitskampagnen der Regierung nach Luxusprodukten giert, die Nummer drei. Nach eigenen Angaben wächst Mercedes in China in diesem Jahr mit acht bis neun Prozent. Im dritten Quartal machte der Absatz einen Sprung um 38 Prozent.
Das Unternehmen gewinnt nach einem – im Vergleich zu seinen deutschen Konkurrenten – schwierigen Start wieder an Boden. „Die Tage, an denen Chinesen glaubten, nur ein in Deutschland zusammengebauter Mercedes sei auch ein richtiger Mercedes, sind längst vorbei“, sagte Frank Deiss, Leiter von BBAC. „Deutsche Präzision können wir auch in China liefern.“ Präzision, die später wiederum exportiert werden soll. Doch „ganze Motoren“, sagte Deiss, seien nicht für den Export gedacht. Vorerst.
Begehrte Arbeitsplätze
Zunächst einmal dürften die Stuttgarter den Einstieg bei ihrem chinesischen Partner Bejing Automotive (BAIC) perfekt machen. Fast schon verschwörerisch sprach BAIC-Chef Xu Heyi am Montag auf der Bühne von der Kooperation.
Im Februar hatten sich BBAC und BAIC bereits auf ein Abkommen geeinigt, für 640 Millionen Euro wollten sie zwölf Prozent an der Pkw-Sparte der Chinesen übernehmen. Ob der Vertrag am Dienstag tatsächlich unterschrieben wird, bestätigte Daimler bei der Fabrik-Eröffnung nicht. Es wäre das erste Mal, dass sich ein deutscher Hersteller in größerem Maße an einem nicht börsennotierten staatlichen chinesischen Autoproduzenten beteiligt. Die Kooperation dürfte auch den Weg für den Börsengang des Pekinger Autoproduzenten frei machen.
Interkulturell geht es im neuen Werk zu. 15 deutsch-chinesische Teams, rund 100 Meister und Ingenieure, sollen hier jährlich rund 250.000 Vier-Zylinder-Motoren und 50.000 Sechs-Zylinder-Motoren produzieren. Es könnten mehr Motoren „Made in China“ werden. Von der Verdoppelung der Kapazität ist die Rede. Die Arbeitsplätze in der Fabrik sind begehrt. Viele Chinesen bewundern die deutsche Marke.
Noch vor einigen Jahren war an der Stelle, wo die BBAC-Fabrik steht, ein kleines, staubiges Dorf. Doch Chinas Hauptstadt wächst – in die Höhe wie in die Breite. Dörfer haben da keinen Platz, Menschen müssen umsiedeln. Auf zehn Hektar breitet sich das neue Motorenwerk aus. Schon bald könnte das neue Werk mitten in der Stadt liegen.
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