Fotografie

Dale Grants Fotokunst lässt Blumen in Schönheit sterben

Gnade der Natur: Dale Grants Kameraperspektive auf Pracht und Vergänglichkeit ist in Berlin zu sehen.

3 Min
Gerbera Pepper Springs

Gerbera Pepper Springs

© Dale Grant

Die alten Maler des Barock im 17., 18. Jahrhundert wussten, wie man sie in Szene setzt – die Schönheit und die unabänderliche Vergänglichkeit des irdischen Daseins. Großmeister solcher Inszenierungen waren zweifellos die holländischen und flämischen Maler des Goldenen Zeitalters. Und sie nutzten die Gnade der Natur, wenigstens die Blumen in Schönheit sterben zu lassen.

Diesen melancholischen Vanitas-Darstellungen verwelkender Blüten folgt der von den Bahamas stammende, in Berlin und Rotterdam lebende Fotograf Dale Grant. Der Afroamerikaner streift mit seiner Kamera durch botanische Gärten wie auch durch Bauern- und Stadtgärten, nähert sich in Makroperspektive den Blüten. Er „porträtiert“ sie wie menschliche Gesichter, jung, anmutig, frisch – und als „Charaktere“, mit Falten, Runzeln, also mit ihrer (Flora)-Biografie zwischen Kinn und Stirn.

Tulipa Flaming Parro

Tulipa Flaming Parro

© Dale Grant

Schier unglaublich sind die tiefrote Farbe und die Blätter- und Blütenstruktur einer von ganz nahe fotografierten Gerbera Pepper Springs, einem Korbblütler, verwandt der Sonnenblume. Die feinen, zarten, wie leicht vom Wind angepusteten Zungenblüten um den Blütenkorb und dessen Rohrblüten (mit den späteren heranreifenden Samenkörnchen) herum gleichen einem – ausgesprochen zärtlichen – Feuerrad. Und nicht umsonst gilt diese Blume als Symbol für treue Freundschaft.

Mit der Tulpe verbinden sich Lebensfreude, Tatendrang, Liebesbezeugung. Dale Grant machte seine Nahaufnahme der Tulipa Flaming Parrot, als seien diese vielfarbig gestreiften Blüten nach einer wilden Party in gemeinschaftlichen Tiefschlaf gefallen, nicht ohne sich zuvor noch einander nach allen Seiten zuzuneigen, sich zärtlich zu berühren oder aber sich, ziemlich darwinistisch, gegenseitig wegzudrängen auf der Suche nach dem besseren Platz hin zum Licht. Vor der Kamera entfalten sich die Blütenblätter vollständig und ihre leuchtenden Farben werden gedämpfter, bis sie schließlich transparent und zerbrechlich werden. Das einfallende Licht durchdringt die Blätter und verleiht den Fotografien eine faszinierende Textur und Form.

Die aus der Türkei (und eben nicht aus Holland!) stammende Tulpe ist nach der Rose die zweitliebste Blume der Deutschen und steht auch für große Gefühle. Und wer über Tage einem Tulpenstrauß ab und an beim Verwelken zusieht, wer dabei ist, wenn ein Blatt nach dem anderen auf den Tisch fällt, könnte dabei sogar ein wenig zum Philosophen oder gar Poeten werden.

Dale Grant: Fading beauty. nüüd.berlin gallery, Kronenstraße 18, Do–Sa 13–19 Uhr, bis 23. Februar. Artist Talk: Samstag, 10. Februar, 18 Uhr

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