Da haben die vermeintlichen Revolutionäre vom 1. Mai ja einen wahren Großkapitalisten erwischt: Imam Istemi, Hausmeister in einem Seniorenheim, hat seit Sonntagabend kein Auto mehr. Die Randalierer hatten den schwarzen Opel Corsa des türkischstämmigen Deutschen am Abend in der Nähe des Springer-Hochhauses aufs Dach gekippt und den Totalschaden danach bejubelt. Istemi stand daneben und konnte nichts tun. Er hatte den Lärm auf der Straße gehört und war aus seiner Wohnung heruntergekommen, um sein Auto umzuparken. Zu spät. Als er um die Ecke bog, machten sich die Randalierer schon an dem Corsa zu schaffen. Istemi konnte nur noch zuschauen.Einen Tag danach erinnern auf der Oranienstraße nur ein paar aus dem Boden gebrochene Pflastersteine an die Krawalle. Und Istemis Gesichtsausdruck: Er guckt betroffen. Erst letzte Woche habe er den neun Jahre alten Corsa durch den TÜV gebracht und zuvor über 600 Euro hineingesteckt, erzählt er. Er hatte nicht einmal eine Teilkasko-Versicherung. Geholfen hätte ihm aber nur eine Vollkasko-Versicherung. Die Täter sind zwar gefasst worden. Doch es ist fraglich, ob und wann Istemi von ihnen etwas bekommt. Zuvor muss er sie zivilrechtlich verklagen. Beim Land Berlin kann er eine Entschädigung beantragen. Die Finanzverwaltung prüft dann, ob seine wirtschaftliche Lage prekär ist. Ist sie das, erstattet das Land bis zu 75 Prozent des Schadens, sagte ein Sprecher.Das Auto benötigte der 35-Jährige, um zur Arbeit nach Lichterfelde zu fahren. Jetzt muss er Bus und Bahn nehmen. Das dauere fast eine Stunde länger, sagt er. Inklusive Kindergeld für seinen dreijährigen Sohn hat Istemis Familie ein Netto-Einkommen von 1 650 Euro im Monat. Zu wenig, um sich gleich ein neues Auto zu kaufen.Augenzeugen zufolge hatten die Randalierer erst versucht, einen Mercedes auf der anderen Straßenseite umzukippen, doch der war ihnen zu schwer. Da schnappten sie sich den Corsa. Istemi überlegt im Nachhinein, ob er sich hätte einmischen sollen. "Aber da waren zu viele Typen mit Pflastersteinen", sagt er. Eine Traube Fotografen war den Randalierern gefolgt. Neben ihm habe ein Schaulustiger mit Kamera gestanden und sich lautstark über das "geile Foto" gefreut, erzählt Istemi. Er habe dem Mann auf die Schulter geklopft und gesagt: "Danke Kumpel. Das war mein Auto."------------------------------Foto: Der Opel Corsa von Imam Istemi wurde am Abend des 1. Mai von Randalierern umgekippt. BGS-Beamte richteten den Wagen wieder auf.
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