Eigentlich ist es ein wenig unfair, ein ganzes Wohnviertel mit einem einzigen Menschen zu vergleichen, aber manchmal passt es ganz wunderbar: Vor der Werner-Düttmann-Siedlung in Kreuzberg sitzt vormittags ein Mann um die 70 auf einer Betonkante. Es ist zu sehen, dass er nicht der reichste Mann dieser Straße ist, so wie seine Siedlung auch die ärmste Gegend in der ansonsten ziemlich hippen Graefestraße ist.
Der Mann ist ein wenig zu laut und zu lebhaft, aber seine Kleidung, die schon etwas in die Jahre gekommen ist, wirkt sehr sauber, und auch seine langen Haare sind ordentlich gekämmt. Das passt zu dieser Siedlung im typischen Chic des sozialen Wohnungsbaus der 80er-Jahre. Beide sind arm. Aber der Mann und die Leute im Kiez legen sichtbar Wert darauf, nicht als arm wahrgenommen zu werden, schon gar nicht als verwahrlost.
Politik
Darum haben die Grünen ausgerechnet ihre Hochburg Kreuzberg verloren
Genau dort, wo die Grünen einst ihr bundesweit allererstes Direktmandat holten, siegte nun der Linke Pascal Meiser. Das sagt viel aus über Berlin, Deutschland und die Grünen.
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Stadt im Wandel: Wahlsieger Pascal Meiser an einem jener neuen Gebilde, die dort stehen, wo einst Parkplätze waren.
© Markus Wächter/Berliner Zeitung