Das Berliner Regionalligaderby wird von Fan-Krawallen überschattet: Stadionsprecher in der Kritik

Der Gast hatte es eilig, den Ort des Triumphes zu verlassen. Als die Spieler des 1. FC Union noch unter der Dusche standen, brauste der Bus der mit 2:1 siegreichen Tennis Borussen schon davon. Arg unfreundlich erschien den Charlottenburgern das Klima im Stadion Alte Försterei. "Hier schlug uns blanker Haß entgegen", schimpfte TeBe-Mittelfeldspieler Bruno Akrapovic. "Für ihr Verhalten hätten wir die auf sportlichem Wege noch höher bestrafen müssen", sagte Trainer Hermann Gerland.Die Verärgerung richtete sich nicht gegen Trainer und Spieler des 1. FC Union, im Gegenteil: Das Berliner Regionalliga-Derby war stets fair, Gerland und Kollege Karsten Heine tauschten sogar freundschaftliche Klapse aus. Vielmehr war unschön, was sich am Rande ereignete. In der 83. Minute gab es einen Handelfmeter für TeBe, Matthias Zimmerling hatte unbedrängt die Kugel mit dem Unterarm geführt. Akrapovic donnerte den Ball beim Strafstoß an den Querbalken, Jens Melzig bugsierte die abprallende Kugel über die Linie. Dramatik pur. Nun entlud sich aller Frust bei einer Horde Union-Fans: Sie wollten den Block der gerade einmal 50 TeBe-Anhänger stürmen, die ängstlich zurückwichen. Die Polizei zückte die Schlagstöcke. Jagdszenen, "die ich nicht sehen will im Fußball" (Gerland) und bei denen eine Polizistin verletzt wurde. Union-Stürmer Stephan Nevoigt sprach von "einigen Verrückten, die ein schönes Fußballfest kaputtmachen wollten". Akrapovic fand schnell den Schuldigen: Stadionsprecher André Rolle gehöre "aus dem Verkehr gezogen, der hetzt die Meute auf". Der sonst so besonnene Ansager (Union-Manager Hajek: "Ich weiß nicht, was heute in ihn gefahren ist") hatte die Situation vor und während des Spiels mit markigen Kommentaren wie diesen angeheizt: "Schicken wir sie nackt zurück nach Charlottenburg!" Oder "Im Berliner Fußball gibt es keinen Platz zwischen Hertha und Union."Unnötige Polemik einer packenden Partie, die ansonsten zur Güteklasse A zählte. Einsatz pur, von der ersten bis zur letzten Minute. "Wir haben alles gegeben, schließlich ging es darum, wer die Nummer eins in Berlin ist", so Nevoigt. Heine sprach von einem "unglaublichen Kraftaufwand". Und Gerland schwärmte: "Meine Mannschaft hat hochverdient gewonnen, weil sie bis zur letzten Minute gefightet hat." Der TeBe-Coach selbst ließ durch ein geschicktes Manöver das Feuer in seiner Truppe bis zum Schlußpfiff lodern: In der Schlußphase schickte er die ehemaligen Unioner Dirk Rehbein und Goran Markov aufs Feld.Für den bei Union eingewechselten Zimmerling war es eine schlimme Seelenpein. Er brachte durch das Handspiel seine Kollegen um einen Punktgewinn. Bei Heine verspielte er damit wohl den letzten Kredit. "Die Einwechslung hat nichts gebracht. Ich weiß nicht, was in Zimmerling gefahren ist. Wenn er den Ball mit der Hand von der Torlinie schlägt, okay. Aber so " Es sind schwere Zeiten für den Stürmer, der aus Cottbus zu den Eisernen zurückkehrte. Jüngst mußt er "Zimmerling raus"-Rufe ertragen, nun folgte der Aussetzer.Auch hinter den Kulissen geht es hoch her. Ein Teil der Einnahmen wurde angeblich gepfändet. Zudem traf sich am Donnerstag der Aufsichtsrat zu einer Krisensitzung. Danach versprach der Vorsitzende des Gremiums, Rolf Dohmen, den wartenden Fans, daß Sponsor Nike trotz gestoppter Zahlungen den Klub nicht fallenlassen werde. "Nike fordert aber einschneidende Veränderungen", sagt der vom US-Konzern bezahlte Manager Mayk ...

BLZ
8 Min

Der Gast hatte es eilig, den Ort des Triumphes zu verlassen. Als die Spieler des 1. FC Union noch unter der Dusche standen, brauste der Bus der mit 2:1 siegreichen Tennis Borussen schon davon. Arg unfreundlich erschien den Charlottenburgern das Klima im Stadion Alte Försterei. "Hier schlug uns blanker Haß entgegen", schimpfte TeBe-Mittelfeldspieler Bruno Akrapovic. "Für ihr Verhalten hätten wir die auf sportlichem Wege noch höher bestrafen müssen", sagte Trainer Hermann Gerland.Die Verärgerung richtete sich nicht gegen Trainer und Spieler des 1. FC Union, im Gegenteil: Das Berliner Regionalliga-Derby war stets fair, Gerland und Kollege Karsten Heine tauschten sogar freundschaftliche Klapse aus. Vielmehr war unschön, was sich am Rande ereignete. In der 83. Minute gab es einen Handelfmeter für TeBe, Matthias Zimmerling hatte unbedrängt die Kugel mit dem Unterarm geführt. Akrapovic donnerte den Ball beim Strafstoß an den Querbalken, Jens Melzig bugsierte die abprallende Kugel über die Linie. Dramatik pur. Nun entlud sich aller Frust bei einer Horde Union-Fans: Sie wollten den Block der gerade einmal 50 TeBe-Anhänger stürmen, die ängstlich zurückwichen. Die Polizei zückte die Schlagstöcke. Jagdszenen, "die ich nicht sehen will im Fußball" (Gerland) und bei denen eine Polizistin verletzt wurde. Union-Stürmer Stephan Nevoigt sprach von "einigen Verrückten, die ein schönes Fußballfest kaputtmachen wollten". Akrapovic fand schnell den Schuldigen: Stadionsprecher André Rolle gehöre "aus dem Verkehr gezogen, der hetzt die Meute auf". Der sonst so besonnene Ansager (Union-Manager Hajek: "Ich weiß nicht, was heute in ihn gefahren ist") hatte die Situation vor und während des Spiels mit markigen Kommentaren wie diesen angeheizt: "Schicken wir sie nackt zurück nach Charlottenburg!" Oder "Im Berliner Fußball gibt es keinen Platz zwischen Hertha und Union."Unnötige Polemik einer packenden Partie, die ansonsten zur Güteklasse A zählte. Einsatz pur, von der ersten bis zur letzten Minute. "Wir haben alles gegeben, schließlich ging es darum, wer die Nummer eins in Berlin ist", so Nevoigt. Heine sprach von einem "unglaublichen Kraftaufwand". Und Gerland schwärmte: "Meine Mannschaft hat hochverdient gewonnen, weil sie bis zur letzten Minute gefightet hat." Der TeBe-Coach selbst ließ durch ein geschicktes Manöver das Feuer in seiner Truppe bis zum Schlußpfiff lodern: In der Schlußphase schickte er die ehemaligen Unioner Dirk Rehbein und Goran Markov aufs Feld.Für den bei Union eingewechselten Zimmerling war es eine schlimme Seelenpein. Er brachte durch das Handspiel seine Kollegen um einen Punktgewinn. Bei Heine verspielte er damit wohl den letzten Kredit. "Die Einwechslung hat nichts gebracht. Ich weiß nicht, was in Zimmerling gefahren ist. Wenn er den Ball mit der Hand von der Torlinie schlägt, okay. Aber so " Es sind schwere Zeiten für den Stürmer, der aus Cottbus zu den Eisernen zurückkehrte. Jüngst mußt er "Zimmerling raus"-Rufe ertragen, nun folgte der Aussetzer.Auch hinter den Kulissen geht es hoch her. Ein Teil der Einnahmen wurde angeblich gepfändet. Zudem traf sich am Donnerstag der Aufsichtsrat zu einer Krisensitzung. Danach versprach der Vorsitzende des Gremiums, Rolf Dohmen, den wartenden Fans, daß Sponsor Nike trotz gestoppter Zahlungen den Klub nicht fallenlassen werde. "Nike fordert aber einschneidende Veränderungen", sagt der vom US-Konzern bezahlte Manager Mayk Hajek.

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