Wenn es je eine Gelegenheit für einen sentimentalen Abend gegeben hat, dann war sie am Mittwoch gekommen. Amerika nahm nach 33 Jahren Abschied von einer Ikone des Entertainment, von einem der ganz Großen des Showbusiness. David Letterman, Pionier und König des Late Night trat mit seiner 6 028. Sendung ab. Doch Letterman blieb sich selbst bis zum Ende treu. Auch bei seinem letzten Auftritt war er zynisch, bissig und gänzlich selbstironisch.
So ließen die zehn Comedy-Stars, die gekommen waren, um ihm Tribut zu zollen, kein gutes Haar an dem 68-Jährigen. Steve Martin fand, Lettermans kosmetische Chirurgie sei zwar notwendig aber auch ein großer Fehler gewesen. Jerry Seinfeld fing zwar sentimental an, indem er sagte, er wisse nicht, was er ohne Letterman abends mit sich anstellen sollte, fügte dann aber flugs an, dass ihm doch etwas eingefallen sei. Auch Jim Carey nahm Letterman auf die Schippe, indem er ihn des übertriebenen Schauspielerns bezichtigte.
Dabei ist das das Allerletzte, das man Letterman vorwerfen kann. Der schlaksige Humorist aus dem Mittelwesten wirkte bei seinen Shows immer etwas gelangweilt. Er las seinen prominenten Gästen aus dem Showbusiness hölzern die Fragen vor und lehnte sich dann zurück, während die Stars sich vor der Kamera produzierten. Letterman gab allen Beteiligten stets das Gefühl, dass er das ganze Theater leicht absurd fand. „Man hatte immer den Eindruck, als sei es ihm gleichgültig, ob er da sei oder nicht“, schrieb sein Kollege Scott Auckerman in einem der vielen Nachrufe der vergangenen Wochen.
Genau das war jedoch der Punkt von Lettermans Show – der langlebigsten Sendung überhaupt im US-Fernsehen. Letterman hat den Sarkasmus nicht nur in die US-Unterhaltung eingeführt, sondern ihn zum dominanten Modus gemacht. Letterman war nichts heilig. Kein Star war zu groß, um ihn nicht zu veralbern – nicht einmal der Präsident der USA. Mit seinen Gags stieß Letterman in neue Dimensionen der Absurdität vor. So ließ er einen Affen mit der Kamera durch das Studio laufen, um dem Publikum die Affenperspektive näher zu bringen. Oder er veralberte Kunden beim Drive-In McDonald’s, indem er ihre Bestellungen falsch entgegennahm. Letterman verlor zwar gegenüber seinem Erzrivalen Jay Leno sowie dessem Nachfolger Jimmy Fallon in den letzten Jahren an Quote, trotzdem war und blieb er die unumstrittene Nummer eins der Late-Night-Talker.
Dabei hat sich das Gewerbe gerade in den letzten Jahren dramatisch verändert. Die neue Garde der Late Nighter mit Jimmy Fallon, Jimmy Kimmel oder Conan O’Brien pflegt einen anderen Humor, der Sarkasmus ist den Spaßnummern gewichen. Fallon triumphiert mit seiner Albernheit, die Sendungen sind darauf angelegt, 30 Sekunden Youtube-Highlights zu produzieren. In diese Landschaft passt Letterman nicht mehr, sein Abgang kommt zur rechten Zeit.
„Vielen Dank für die vielen Blumen in den vergangenen Tagen“, sagte er am Mittwoch in seiner letzten Show. „Aber bitte hebt doch noch was für meine Beerdigung auf.“ Zuvor hatte er im Intro-Clip Barack Obama sagen lassen, dass die USA nun endlich von einer langen Plage befreit sei. Ganz so schlimm war es dann doch nicht.
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