DDR-Ausstellung im FEZ Wuhlheide

Land der Einheitsklamotten

Was war die DDR wirklich? Unrechtsstaat? Traum von Sozialismus und Gerechtigkeit? Eine Ausstellung im FEZ in Berlin-Köpenick versucht, Kindern und Jugendlichen die DDR zu erklären. Zur Eröffnung kam ein prominenter Gast.

Sabine Rennefanz
4 Min
Mit Sandmann und Matrjoschka eine Zeitreise in die DDR unternehmen.

Mit Sandmann und Matrjoschka eine Zeitreise in die DDR unternehmen.

© Berliner Zeitung/Markus Wächter Lizenz

Tabea hat eine weiße Pionierbluse angezogen, das rote Halstuch korrekt zugebunden und auch der Gruß „Seid bereit“ kommt ihr leicht über die Lippen. Tabea hat gehört, dass früher alle bei den Pionieren waren, dass es „Sommercamps“ und Uniformen gab. Die wollte sie anprobieren, aber wohl fühlt sie sich darin nicht. „Wie schrecklich, wenn alle die gleichen Klamotten tragen mussten“, sagt sie.

Tabea ist 13, sie gehört zu den ersten Schülern, die am Mittwoch die Ausstellung „Sag, was war die DDR“ im Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) in Köpenick besuchen. In den Räumen, die im einstigen Pionierpalast dem Arbeiterführer Ernst „Teddy“ Thälmann gewidmet waren, kann man heute Pionierblusen anprobieren, das Cockpit einer Iljuschin besteigen und eine Zelle eines Stasi-Knastes besichtigen.

Die Ausstellung war vor vier Jahren schon mal zu sehen, dann tourte sie durchs Land, fand über 60.000 Besucher. Jetzt kehrt sie ins FEZ zurück, um der nächsten Generation zu erklären, was es mit diesem seltsamen Land auf sich hat, aus dem manchmal Worte wie „Broiler“ oder „FDJ-Sekretärin“ auftauchen.

Die DDR ist für Tabea und ihre Freundinnen weit weg, ein strenges Land mit Einheitsklamotten und vielen Regeln. Manches wurde aber doch übernommen. Im nächsten Jahr wird sie die Jugendweihe machen, versichert Tabea. Wie die meisten in ihrer Klasse an der Otto-Nagel-Schule in Biesdorf. Mit Politik habe das aber nichts zu tun. „Man bekommt Geschenke“, sagt ihre Freundin Jenny, auch 13.

Das Interesse an Politik, der Drang sich einzumischen, eine Meinung zu haben – das ist vielleicht der größte Unterschied zwischen den Generationen, die die DDR noch als Erwachsene erlebt haben, und den Nachgeborenen. „Es würde mir nicht reichen, mich nur mit meinem eigenen Leben zu beschäftigen“, sagt Vera Lengsfeld bei einer Diskussion mit einer elften Klasse anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Lengsfeld war eine der bekanntesten DDR-Bürgerrechtlerinnen, sie saß 15 Jahre im Bundestag. Jetzt schreibt sie für ein konservatives Blog und hat 5000 Freunde bei Facebook. Im Moment mache sie sich Sorgen über die Machtfülle der kommenden Regierung, sie arbeite am Aufbau einer „außerparlamentarischen Opposition“. Ob das heißt, dass sie aus der CDU austritt, sagte sie nicht.

Vera Lengsfeld war ungefähr genauso alt wie ihre Zuhörer, als sie zum ersten Mal mit der Politik in Konflikt kam. Ihr erster Freund mit 17 war der Sohn des jugoslawischen Handelsattachés, „der schönste Junge von Ost-Berlin“, wie Lengsfeld sagt. Die DDR hatte Jugoslawien gerade zum Gegner erklärt, also durfte auch die Tochter eines Stasi-Leutnants keine Feindesbeziehungen haben. Das prägte. Später engagierte sich Lengsfeld gegen Aufrüstung, gründete mit einer Pfarrerin den Pankower Friedenskreis. 1988 wurde sie verhaftet und nach England abgeschoben. Am 9. November 1989 kehrte sie in die DDR zurück, ohne den Mauerfall zu erahnen, wie sie im FEZ den Schülern versichert.

Es sind Jugendliche mit ernsten, älter aussehenden Gesichtern. Viele tragen schwarz. Sie hören eine Stunde zu, keiner guckt aufs Handy, keiner redet dazwischen.

Sie wirken fast ein wenig erschöpft von den großen Dramen, die diese Frau erzählt, die ihre Oma sein könnte, sie haben keine Fragen. Einem jungen Mann fällt doch etwas ein. „Mein Vater war DDR-Juniorenmeister, haben Sie auch viel Sport gemacht in der DDR?“ Lengsfeld sagt kichernd, dass sie Schwimmerin werden sollte, aber das habe ihr nicht gelegen. Doch wie der Sport in der DDR organisiert gewesen wäre, das habe ihr gefallen. „Das war viel unideologischer, als es jetzt dargestellt wird.“

Inwieweit heute politisches Engagement eine Rolle spiele, will die Moderatorin Petra Schwarz von den Jugendlichen wissen. Ein junger Mann erklärt, er engagiere sich in der Jugend-Antifa gegen Nazis, aber das sei keine große Sache. Ein Mädchen sagt, dass es schwer sei, sich zu orientieren. Die Eltern seien keine Hilfe. „Die, die in der DDR gelebt haben, wählen ihre Partei, die sie seit 20 Jahren wählen“, sagt das Mädchen. Lengsfeld stimmt zu, sie sehe viel Schuld bei den Eltern. Dann verabschiedet sie sich. Sie muss einer amerikanischen Schulklasse die DDR erklären.

Die Ausstellung: „Sag, was war die DDR“ ist bis zum 6. Juli 2014 zu sehen im FEZ an der Wuhlheide. Eintritt 3,50 Euro. Ab sieben Jahre

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