Mit Luftballons fing alles an. 19 Sitzungen hat Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) als Mitglied des BER-Aufsichtsrats absolviert, aber keine war so schön wie seine erste im Dezember 2011. Am Freitag schilderte Henkel den Mitgliedern des BER-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, wie er die Zusammenkunft erlebte. Es ging um die geplante Eröffnungsfeier, die am 3. Juni 2012 hätte stattfinden sollen. „Man beschäftigte sich damit, wo die Luftballons hängen und wo die Kanzlerin stehen soll“, erinnerte er sich. Dass die Fertigstellung nicht so glatt lief, wie die Geschäftsführer weismachen wollten, sei erst bei der nächsten Sitzung im April 2012 deutlich geworden.
Der Rest der Geschichte ist bekannt. Am 8. Mai erfuhr Henkel am Rande einer gemeinsamen Kabinettssitzung des Berliner Senats mit der Brandenburger Landesregierung von der Absage der Flughafeneröffnung nebst Feierlichkeiten, Luftballons und Besuch der Kanzlerin. „Das kam für mich enorm überraschend“, beteuerte er.
Überhaupt scheinen die dreieinhalb Jahre im Aufsichtsrat für Henkel eine Zeit voller Überraschungen und enttäuschter Erwartungen gewesen zu sein. Nach der peinlichen Absage kam der Aufsichtsrat zur Krisensitzung zusammen. Es sei nicht darum gegangen, Köpfe rollen zu lassen, versicherte Henkel. Und dann rollten sie doch: Die Aufseher entließen die Generalplaner, eine fatale Fehlentscheidung, weil mit ihnen elementares Wissen über die Baustelle verschwand. Das sehe er heute auch so, sagte Henkel. Aber damals hätten Projektleiter Korkhaus und Technik-Vorstand Körtgen für die Kündigung plädiert, und der Aufsichtsrat, Henkel eingeschlossen, sei ihnen gefolgt.
So ähnlich ging es weiter. Dass Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen schon 2012 gehen musste, BER-Chef Rainer Schwarz bis 2013 bleiben durfte, fand Henkel erst im Nachhinein falsch. Dass der neue Technik-Geschäftsführer Horst Amann mit dem Vorhaben antrat, zunächst eine Aufnahme sämtlicher Baumängel vorzunehmen, fand Henkel zunächst einen überzeugenden Plan, wie der übrige Aufsichtsrat. Als Amann mehr als ein halbes Jahr später noch nicht fertig war, ließ Henkel ihn fallen, zusammen mit dem übrigen Aufsichtsrat.
Über kaum einen Beteiligten ließ Henkel schlechte Worte fallen. Nicht über Klaus Wowereit, früherer Regierender Bürgermeister und langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender: Er sei brillant informiert gewesen und habe im Aufsichtsrat bohrend nachgefragt. Auch nicht über Geschäftsführer Hartmut Mehdorn, der erst in den letzten Monaten seiner Amtszeit mit Hilfe des neuen Technikchefs einen Plan für die Fertigstellung des BER erarbeitete. Und auch nicht über sich selbst. „Ich bin meinen Rechten und Pflichten nach bestem Wissen und Gewissen nachgekommen“, sagte Henkel.
Die Opposition konnte er von der Bilanz seiner Tätigkeit jedoch nicht überzeugen. „Ich finde es erschreckend, mit welcher Naivität Herr Henkel seinen Kontrollaufgaben bisher nicht nachgekommen ist“, sagte der Ausschussvorsitzende Martin Delius (Piraten). Er forderte Henkels Rückzug aus dem Aufsichtsrat.
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