Debatte bei Berliner Christdemokraten

Stefan Evers will CDU von der Ehe für alle überzeugen

Beim Thema Ehe für alle stellt sich die CDU in Berlin gegen den Koalitionspartner SPD. Stefan Evers, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, kündigt an, es werde zu einer Mehrheit für die Öffnung der Ehe kommen - spätestens zum Bundesparteitag der Union im Dezember.

BLZ
4 Min
In Irland wurde so für die Ehe für alle geworben - in Berlin ringt derzeit die CDU um ihre Position dazu.

In Irland wurde so für die Ehe für alle geworben - in Berlin ringt derzeit die CDU um ihre Position dazu.

© dpa Lizenz

Stefan Evers, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, spricht sich für die gleichgeschlechtliche Ehe aus. Er ist zuversichtlich, dass sich auch in seiner Partei eine Mehrheit dafür abzeichnet. Evers, der auch queerpolitischer Sprecher ist, plädiert jedoch dafür, die Diskussion nicht übers Knie zu brechen.

Herr Evers, Innensenator und Parteichef Frank Henkel lehnt die Ehe für alle ab.

Das hat er nicht gesagt, sondern dass es bisher keine Beschlussfassung in der CDU zur Öffnung der Ehe gibt.

Aber der SPD, die sich einer Bundesratsinitiative zur Öffnung der Ehe anschließen will, hat er doch vorgeworfen, sie versuche aus einer gesellschaftlichen Debatte eine politische Show zu machen. Kommt das nicht einer Diskreditierung dieses Themas gleich?

Das sehe ich nicht so. Die SPD hat sehr kurzfristig ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt, das der Koalitionsvertrag nicht unmittelbar vorsieht. Sowohl der Berliner Koalitionsvertrag als auch der im Bund sieht vor, die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften voranzubringen. Bestehende Unterschiede sollen beseitigt werden. Sie unterscheiden sich ja ohnehin heute nur noch in wenigen Punkten.

Zum Beispiel?

Heiß umstritten ist ja das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare – dabei können eingetragene Lebenspartner schon heute gemeinschaftlich Kinder adoptieren. Der Unterschied zu Ehepaaren liegt allerdings darin, dass bei gleichgeschlechtlichen Partnern zwei Gänge zum Amt erforderlich sind. Zunächst muss ein Partner einzeln die Adoption eines Kindes beantragen und dann muss sie im Erfolgsfall noch einmal gemeinschaftlich beantragt werden. Das ist aber ein Automatismus. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass es im Sinne des Kindes ist, dass der zweite Partner es ebenfalls adoptiert.

Wenn es zwischen der Ehe und der Lebenspartnerschaft kaum mehr Unterschiede gibt, warum kann man nicht die Ehe für alle erlauben?

Das frage ich mich auch. Ich stelle aber fest, dass der Ehebegriff zum Beispiel für viele Menschen kulturell oder religiös geprägt ist als eine Verbindung von Mann und Frau. Man mag dabei von ,Bauchgefühl’ sprechen, aber im Grunde berührt es eine ethische Grundüberzeugung. Die Volksabstimmung in Irland hat nun die Frage der Öffnung der Ehe auf die politische Tagesordnung gesetzt, das finde ich auch richtig so. Aber die CDU muss sich bei einer für viele Mitglieder so schwierigen Frage die Zeit nehmen, in Ruhe und mit Respekt voreinander darüber zu diskutieren. Selbst wenn es am Ende nur noch um die symbolische Frage geht, ob ich die letzten Unterschiede zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft beseitige oder gleich die Ehe öffne. Ich denke, dass wir spätestens bis zum Bundesparteitag der CDU im Dezember dazu eine Position erarbeiten sollten.

Sind Sie für eine Ehe für alle?

Ich persönlich werbe leidenschaftlich für eine Öffnung der Ehe. Selbst die evangelische Kirche läuft uns mit einer Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Trauung inzwischen voran. Auch in der Gesellschaft gibt es eine Mehrheit dafür. Das ist auch kein Großstadtthema mehr, wie die Volksabstimmung in Irland gezeigt hat. Dort haben Menschen in ländlichen Regionen auch mit überwältigender Mehrheit für die Öffnung der Ehe gestimmt. Für die CDU ist diese neue Wertschätzung der Ehe übrigens nach meiner vollen Überzeugung ein gesellschaftlicher Erfolg, auch wenn sie es noch nicht gemerkt hat. Schließlich haben die Linken noch vor Jahren die bürgerliche Ehe an sich in Frage gestellt.

Welche Position wird wohl die Berliner CDU in dieser Frage beziehen?

Ich gehe davon aus, dass es nach reiflicher Diskussion eine Mehrheit für die Öffnung der Ehe geben wird.

Das Gespräch führte Thorkit Treichel.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema