In Berlin-Neukölln haben am Donnerstagabend mehrere Menschen unter dem Motto „Scare the landlords away!“ gegen die Räumung der Hermannstraße 48 demonstriert. Mehr als 60 Mieter kämpfen bereits seit Monaten gegen die Zwangsräumung. Eine WG bestehend aus acht Personen musste bereits am Donnerstag ausziehen.
Etwa 25 Menschen versammelten sich vor dem Haus, auch einige Polizisten waren vor Ort. „Die ersten Mieter haben das Haus verlassen“, sagte Lina (Anmerkung: Name geändert), eine Bewohnerin, die eine gelbe Weste mit der Aufschrift „H48 bleibt!“ trug.
Nach kurzer Bedenkzeit äußerte sich ein Mieter, der heute mit sieben weiteren Bewohnern einer 200 Quadratmeter großen Wohnung ausziehen musste. „Um 11 Uhr haben wir unsere Wohnung übergeben“, sagte Karl. Er lebte über sechs Jahre in der WG und könne das alles noch nicht realisieren. „Einige Bewohner leben seit 21 Jahren in diesem Haus, haben ihre Kinder hier großgezogen und müssen jetzt bei null anfangen.“ Hinzu komme das Alter der Bewohner, die heute weichen mussten. Laut Karl sind alle zwischen 30 und Anfang 60. „Unser Lebensentwurf, gemeinsam alt zu werden, der wurde jetzt zerstört.“
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Mieter wohnten teils seit Jahrzehnten in der Hermannstraße 48
Die letzten zwei Wochen habe er damit verbracht, alles in der WG abzubauen. „Es tut einfach weh“, sagt er und stockt. „Niemand hat was davon, dass wir ausziehen, denn das Nachbarhaus steht ja auch leer.“ Er gehe davon aus, dass die Wohnungen nach der Räumung nicht vermietet werden. Erst wenn alle ursprünglichen Bewohner die Hermannstraße 48 verlassen hätten, würden Luxuswohnungen in dem Haus entstehen.
„Wir sind alle untergekommen, aber nicht zusammen“, sagt Karl. Mit dem heutigen Tage seien Beziehungen zerstört worden, die sich nie wieder auf diese Art und Weise aufbauen ließen. „Wir sitzen hier auf unserem letzten Sofa, weil wir heute Morgen unsere WG abgeben mussten“, so Karl weiter. „Ein Mann, der damals hier seine ersten Schritte gemacht hat, hat jetzt seine erste Antifa-Demo organisiert, denn wir bleiben stabil.“ Die umstehenden Demoteilnehmer applaudieren.
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Räumung der Hermannstraße 48: Geringe Erfolgsaussicht für Klage
Die WG habe keine Klage eingereicht, „weil die Chancen zu gering waren, um den Prozess gewinnen zu können“, so Lina. Bei allen anderen WGs sieht es aber auch nicht gut aus, fügt sie hinzu. Es mangele an Geld, die Prozesskosten seien sehr hoch. Spendengelder, die seit Monaten gesammelt werden, würden nicht annähernd die anfallenden Kosten decken. Lina ist eine von unzähligen Mietern, die in dem alten Fabrikgebäude leben. Ihr Mietvertrag läuft erst im Januar aus.
Im Juli erhielten die Bewohner eine Räumungsklage, gegen die bereits Gegenklage eingereicht wurde. Seit den 1980er-Jahren ist das ehemalige Fabrikgebäude bewohnt. Ein Verwalter des Eigentümers teilte mit, dass es sich bei den Mietverträgen im Haus „nicht um Wohnraummietverträge, sondern Gewerberaummietverträge handelt“. Da Letztere keinem Kündigungsschutz unterlägen, könnten die Verträge jederzeit begründungslos beendet werden.
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