Gedenken in Berlin

Denkmal zeigt, was einst nur die Opfer sahen: Zellentüren, die keine Klinke haben

Das Mahnmal „Einschlüsse“ in Lichtenberg erinnert an die Menschenrechtsverletzungen der politischen Justiz in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR.

3 Min
Künstler Roland Fuhrmann neben dem von ihm geschaffenen Denkmal am Roedeliusplatz in Lichtenberg.

Künstler Roland Fuhrmann neben dem von ihm geschaffenen Denkmal am Roedeliusplatz in Lichtenberg.

© Sabine Gudath

In Lichtenberg ist am Sonnabend das erste Berliner Denkmal für die Leidtragenden der kommunistischen Herrschaft von 1945 bis 1989 eingeweiht worden, das seit der Wiedervereinigung entstanden ist. Das vom Künstler Roland Fuhrmann gestaltete Werk steht auf dem Roedeliusplatz unweit des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit und trägt den Titel „Einschlüsse“. Es erinnert an die Menschenrechtsverletzungen der politischen Justiz in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR.

Der Gedenkort am Roedeliusplatz geht auf eine Initiative des Aufarbeitungsvereins Bürgerkomitee 15. Januar aus dem Jahr 2017 zurück, wurde von der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft unterstützt und im Wesentlichen aus ehemaligen SED-Geldern über das Bezirksamt Lichtenberg und den Berliner Senat finanziert. Das Bezirksamt hatte aufgrund der zivilgesellschaftlichen Initiative einen runden Tisch gebildet und nach dessen Vorgaben einen künstlerischen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem der jetzt realisierte Entwurf von Roland Fuhrmann ausgewählt wurde.

In den Institutionen rund um den Roedeliusplatz in Alt-Lichtenberg wurden nach Angaben des Bürgerkomitees von sowjetischen Besatzungsorganen fast 200 Menschen zum Tode und zu teilweise langen Langhaftstrafen verurteilt. Dort befanden sich in den 45 Jahren ein Zellengefängnis der Besatzungsorgane, zwei Polizeiinspektionen, das Stadtbezirksgericht, wo auch politische Verfahren stattfanden, und die Hauptadresse des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Außerdem befand sich dort das Gefängnis Magdalenenstraße, das erst von den sowjetischen Organen, dann vom MfS als Haftanstalt genutzt wurde.

Opfer im Blick: Durch die Gucklöcher des Gedenkortes sind Gesichter und Geschichten der Häftlinge zu sehen.

Opfer im Blick: Durch die Gucklöcher des Gedenkortes sind Gesichter und Geschichten der Häftlinge zu sehen.

© Sabine Gudath

Denkmal zeigt vier stilisierte Zellentüren

„Allein zu MfS-Zeiten saßen dort meist kurzzeitig fast 10.000 Personen ein, da diese Haftanstalt als Teil des zentralen Untersuchungshaftkomplexes in Hohenschönhausen fungierte“, heißt es in einer Mitteilung des Bürgerkomitees. Am 7. und 8. Oktober 1989, vor 34 Jahren, seien dort mehr als 90 Personen eingesperrt worden, die sich bei der Großdemonstration in Berlin für Meinungsfreiheit und Veränderungen in der DDR eingesetzt hatten.

Das Denkmal ist eine Skulptur aus Aluminiumguss, die vier stilisierte Hafttüren zeigt. Hinter kleinen Gucklöchern sind Fotos und Geschichten von Opfern zu sehen. „Da sich das Denkzeichen auf Ereignisse in vier umstehenden Gebäuden bezieht, wählte ich eine vierseitige Grundform, die in deren Richtungen weist“, beschreibt Künstler Roland Fuhrmann sein Werk. „Das stärkste Symbol der Freiheitsberaubung in diesen Gebäuden sind die Türen der Zellen und Kellerverschläge. Ich drehte ihre Innenseiten nach außen, denn das Blatt der Geschichte hat sich gewendet. Die Innenseiten der Türen ohne Klinken sind das, was die Verurteilten sahen, was ihren Weg in die Freiheit versperrte.“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema