Becker stürmt anstatt Kruse
Seine von außen betrachtet doch eher überraschende Entscheidung, beim Startelfpuzzle dieses Mal auf das Teilchen Max Kruse zu verzichten, hatte der Schweizer Fußballlehrer vor der Partie in der für ihn typischen Einsilbigkeit erklärt. Es gehe darum, mehr Frische auf den Platz zu bringen, sagte er, zudem hätte der eine oder andere eben auch mal eine Chance verdient. So wie Sheraldo Becker, der für Kruse neben Taiwo Awoniyi stürmen durfte.
EISERN Magazin Nr. 4
Für Edition Nr. 4 konnten wir Urs Fischer zum Interview in der Schweizerischen Botschaft treffen. Der Erfolgscoach des 1. FC Union Berlin erklärt, woran er sich in Berlin erst mal gewöhnen musste und womit er noch immer zu kämpfen hat. Außerdem verrät die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, warum sie sich für die Eisernen begeistert. Und wir waren auf Spurensuche in Eisenhüttenstadt, wo sich der Abwehrmann Paul Jaeckel als Kind das Rüstzeug für eine Profikarriere geholt hat.
Der Niederländer, der zuletzt auch mal in der Öffentlichkeit über seine Rolle als Teilzeitkraft geklagt hatte, war sogleich ziemlich präsent, brachte sich immer wieder clever in Position, um über Ballkontakte seinen Rhythmus zu finden, bekam schließlich an der Außenlinie in der zehnten Minute auch noch einen harten Tritt von Stuttgarts Marc Oliver Kempf ab, rappelte sich aber wieder hoch. Zudem trat Unions Nummer 27 auch bei der ersten guten Torchance als Vorlagengeber in Erscheinung, allerdings kam Christopher Trimmel bei seiner flachen Flanke vors VfB-Tor in der 15. Minute einen Schritt zu spät. Kurzum: Becker zu bringen, war die richtige Entscheidung. Wohl dem, der so viel Klasse im Kader hat.
Awoniyi trifft auf Zuspiel von Becker
Die Eisernen, die auch in Stuttgart auf die positiv auf Corona getesteten Marvin Friedrich und Rick van Drongelen verzichten mussten, erweckten jedoch im Kollektiv den Eindruck, sich gut von der turbulenten und vom sportlichen Ergebnis her ernüchternden Reise zum Conference-League-Spiel bei Feyenoord Rotterdam erholt zu haben. Trimmel konnte viel öfter über rechts in die Offensive spurten, weil Jaeckel weitaus stabiler agierte als im legendären De Kuip. Überdies eroberten Knoche und Rani Khedira immer wieder schon weit vor dem eigenen Strafraum den Ball, sodass das Spiel der Gastgeber nur eins war: harmlos.
Der herausragende Khedira war es auch, der in der 32. Minute mit einem gewonnenen Zweikampf gegen Endo und einem ganz fixen, bestens getimten Zuspiel auf Becker den Führungstreffer einleitete. Von halblinks passte Becker schließlich am Sechzehnmeterraum flach auf den herbeieilenden Awoniyi, der den Nachweis erbrachte, dass er auch aus der Distanz zum erfolgreichen Torschuss fähig ist. Der Nigerianer traf mit links und viel Gefühl aus 18 Metern, vergab allerdings nur fünf Minuten später nach einem weiteren Konter und einem feinen Zuspiel von Genki Haraguchi das 2:0. Der Grund: Beim Abschluss aus zwölf Metern kam er irgendwie ins Schlingern, ärgerte sich selbst maßlos über die vergebene Chance.
Der herausragende Khedira muss verletzt raus
Auch nach dem Wechsel, als sich der VfB mit dem Zwang zur Offensive und mit der Einwechslung weiterer Angreifer um eine Wende bemühte, war das, was die Eisernen aufs Feld brachten, durchweg beeindruckend. Da war jede Menge Mut zur spielerischen Lösung, da war so viel Disziplin, wie es sich ein Trainer nur wünschen kann. Wenngleich natürlich nicht unerwähnt bleiben darf, dass ihnen der Stuttgarter Atakan Karazor dabei auch in die Karten spielte. Wild war der nämlich in der 57. Minute in Khedira gerauscht, sah dafür zurecht die Gelbe Karte. Karazors Problem: Keine Minute zuvor hatte er schon mal die Gelbe Karte gesehen, brachte deshalb sein Team letztlich in eine Unterzahlsituation.
Und dann gab es für Fischer doch noch zwei sehr ärgerliche Momente im Neckarstadion. Zum einen die Verletzung von Khedira, der nach einer Grätsche in der 63. Minute mit Problemen an den Adduktoren vom Platz schlich und durch Levin Öztunali ersetzt werden musste. Zum anderen die Tatsache, dass seine Spieler nicht vorzeitig das Spiel für sich entscheiden konnten. Ein paar aussichtsreiche Angriffe wurden da nicht zielführend zu Ende gespielt, weil im falschen Moment ins Dribbling gegangen oder auch im falschen Moment der finale Pass versucht wurde. Und so kam der VfB Stuttgart noch zu dieser einen Chance und durch diese Chance auch zum Ausgleich.
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