Wenn die Schriftstellerin M. in ein Hotel kommt, räumt sie zuerst ihren Koffer aus, hängt die Kleidungsstücke auf und legt die Bücher ordentlich ab, „als hätte sie vor, sich hier dauerhaft einzurichten“. Diese stabilisierende Regel hat sie für sich eingeführt, als ihr Leben sich dramatisch verändert hatte, denn sie hat das Land verlassen, in dem sie aufwuchs und lange lebte. Ein Ziel namens „Nachhause“ gibt es für sie nicht mehr. Daran war ein „Untier“ schuld und ein „Krieg, der seinetwegen ausgebrochen war“.
Im Roman „Der Absprung“ verwendet Maria Stepanova mit „Untier“ umstandslos einen Begriff, der aus einem Märchen kommt, während sie von einer Schriftstellerin erzählt, die sich in unserer Gegenwart bewegt. Schon im ersten Satz gibt es die klare Zeitangabe Sommer 2023. Und der Name M. könnte auf die Autorin selbst deuten, zumal Stepanova, 1972 in Moskau geboren, einige Monate nach Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine das Land ihrer Geburt verlassen hat. Längere Zeit war sie Gast im Wissenschaftskolleg Berlin, inzwischen lebt sie in Paris.
Literatur und Leben
„Der Absprung“ von Maria Stepanova: Vom Pesthauch des Untiers vertrieben
Mal wieder fahren Züge nicht richtig – und so fällt eine Schriftstellerin in diesem wundersam verspielten Roman aus den Verhältnissen. Eine Buchkritik
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Maria Stepanova, fotografiert im Wissenschaftskolleg Berlin
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung