Der Altkanzler tritt im Berliner Ensemble auf. Und gibt sich ziemlich links

Auf ein Wort mit Helmut Schmidt

Holger Schmale
2 Min

Helmut Schmidt ist milde gestimmt an diesem Abend. Ganz entspannt sitzt er auf der Bühne des Berliner Ensembles und lässt sich von dem ZDF-Journalisten Klaus Kleber nicht dazu verlocken, die dramatischen Entwicklungen in der SPD und das Handeln der Akteure zu kommentieren. Nur so viel denn doch: "Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden." Das Publikum im voll besetzten Theater wohl auch: Beifall erklingt. Kleber hakt nach, doch Schmidt tut ihm den Gefallen innenpolitischer Positionierung nicht. Nur das Gemäkel über Koalitionen gleich welcher Färbungen gefällt ihm nicht. So sei das nun mal: "Wer Koalition und Kompromiss nicht kann, taugt nicht für die Demokratie." Punktum.Als das Gespräch sich dann der Finanzkrise und anderen internationalen Themen zuwendet, wird Schmidt schärfer. Das ist auch im 90. Lebensjahr noch seine Welt, hier kennt er sich aus. Kann gut sein, dass er den Begriff vom Raubtierkapitalismus erfunden hat, den nun Oskar Lafontaine zitiert. Egal: "Ich bin stolz darauf, das war ein richtiges Wort." Schmidt ist für weltweite Kontrollen der Finanzmärkte und das Verbot von Steueroasen: "Sie sind ein Krebsschaden für die ganze Welt." Eine sehr kritische Sicht pflegt der Altkanzler auch auf das Vorgehen der Nato außerhalb Europas. Was habe der Nato-Rat jüngst im georgischen Tiflis verloren gehabt? "Das ist Asien!" Deutschland könne er nur raten, vorsichtig zu sein, wenn es darum gehen sollte, im Kaukasus-Konflikt Position gegen Russland zu beziehen.Es folgt noch ein dringender Appell, die atomare Abrüstung endlich wieder auf die Tagesordnung zu setzen, und es bleibt der Eindruck, dass Helmut Schmidt in Fragen der internationalen Politik heute tatsächlich eher auf der Linken daheim ist.Und die Rauchfrage? Fast eine Stunde lässt Kleber vergehen, bis er Schmidt wissen lässt, die Bühne sei nach Weisung des Intendanten Klaus Peymann Raucherzone. "Und das sagen Sie erst jetzt!", ruft Schmidt, zündet sich eine Zigarette an und schaut gleich noch ein wenig zufriedener in den von Beifall erfüllten Saal.

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