Der Australier Ross Dunkley verlegt eine Zeitung im von Militärs regierten Myanmar

Auf dem Spielfeld der Generäle

Susanne Lenz
4 Min

Eigentlich sollte er Farmer werden. Herr über ein paar Tausend Rinder und Schafe im australischen Outback, so wie sein Vater. Aber das ist lange her. Man könnte sagen, dass Ross Dunkley stattdessen Abenteurer geworden ist. Entdeckungsreisender in Sachen Journalismus. So landete er Ende der 90er-Jahre in Myanmar. Zwei Jahre lang fuhr er jeden Monat in die damalige Hauptstadt Yangon (Rangun), um die Generäle der Militärjunta zu überreden, ihn eine Zeitung aufmachen zu lassen. Er hatte Geld verdient mit einer Zeitung in Vietnam, die er wieder verkauft hatte. Er wollte investieren. Vor zehn Jahren erschien seine Wochenzeitung Myanmar Times zum ersten Mal. Heute, mit 53, ist Dunkley Chef von 600 Mitarbeitern in zwei Zeitungsverlagen in Kambodscha und Myanmar. Das sind zwei Länder, in denen Journalisten keinen leichten Stand haben, wenn man es nett ausdrückt. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hat Myanmar dieser Tage als eines der fünf repressivsten Länder weltweit eingestuft.Die Ärmel seines weißen Hemdes trägt Ross Dunkley hochgekrempelt, dazu eine dunkle Nadelstreifenhose, kahler Kopf, schmale Brille. Über dem roten Kunstledersofa in seinem Büro hängt das Gemälde eines burmesischen Modernisten. Fast wirkt er wie ein wohlerzogener Intellektueller, wenn er nur nicht so oft "verdammt" sagen würde, oder "beschissen". "Gegen die verdammten Kommunisten in Hanoi waren die Generäle in Yangon ein Kinderspiel", sagt er. Es habe Ende der 90er-Jahre einen Spalt in der Mauer gegeben, die das Land um sich errichtet hat. "Es kam Geld aus dem Ausland, und die Regierung wollte ihr schlechtes Image verbessern." Was für ein raffinierteres Mittel hätte es geben können, als einem westlichen Journalisten zu erlauben, eine Zeitung aufzumachen, wo die Medien bis dahin in staatlicher Hand gewesen waren?Die Myanmar Times erschien zunächst auf Englisch, drei Jahre später kam die burmesische Ausgabe dazu. Die Zeitung hat heute 250 000 Leser. Sie schreibt schwarze Zahlen und ist die einzige mit einem ausländischen Chefredakteur, auch wenn der nur 49 Prozent der Verlagsanteile halten darf. Dunkley muss das Blatt jeden Tag vor Erscheinen der Presseprüfungkommission im Informationsministerium vorlegen. "Wollen Sie sehen, wie sie zurückkommt?" Er nimmt einen Stift und streicht ein paar Absätze auf der ersten Seite durch, blättert um, streicht weiter. "Der Schmerz ist immer noch da. Aber wir versuchen jedes Mal, die unsichtbare Latte ein bisschen höher zu legen." Burmesische Journalisten und Oppositionelle, die im Ausland leben, beschimpfen ihn als Sprachrohr der Regierung. Als einen, der nur Geld verdienen möchte. "Die stehen am Rand und kreischen", sagt Dunkley. "Wir stehen auf dem Spielfeld."Doch die Spielregeln hat nicht er gemacht. 2005 wurde sein burmesischer Partner Sonny Swe wegen Verstoßes gegen die Zensur zu vierzehn Jahren Haft verurteilt, sieben für die englische Ausgabe, sieben für die burmesische. Dunkley sagt, dies sei Teil einer Säuberungskampagne gewesen. Den neuen Herausgeber bestimmte das Regime. "Ich mag ihn nicht, er darf das Büro nicht betreten", sagt Dunkley.Am 7. November wird in Myanmar gewählt, zum ersten Mal seit 20Jahren. Schon jetzt ist klar, dass die Regierungspartei einen gewaltigen Anteil der Parlamentssitze halten wird. Viele Beobachter nennen die Wahl eine Farce. Die National League for Democracy, Partei der bekanntesten Oppositionellen und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, tritt erst gar nicht an. Sie hatte vor 20 Jahren die Wahl gewonnen, doch die Militärs hatten das Ergebnis nicht anerkannt.Schritt nach vornDunkley sagt, dass Aung San Suu Kyi durch den jahrelangen Hausarrest den Kontakt zur Realität verloren habe. "Der Zug ist abgefahren, und sie ist nicht drin." Er dagegen fährt auf der Titelseite der Myanmar Times einen Wahlcountdown. Dort steht ein Satz, den viele Burmesen nicht glauben: "Ihre Stimme zählt". Die Zeitung hat Kandidaten porträtiert, die nicht der Regierungspartei angehören, sie hat ihre Kampagnen begleitet. "Es wird eine Opposition geben, Entscheidungen werden nicht mehr einfach erlassen, sie werden zumindest diskutiert", sagt Ross Dunkley. "Das ist ein verdammt großer Schritt nach vorne." In der neuen Verfassung ist die Pressefreiheit festgeschrieben. Dass es sie geben wird, daran zweifelt auch Ross Dunkley. Doch hat er große Pläne für die Zeit danach. "Wir werden dann täglich erscheinen."------------------------------Staatliche ZensurBezogen auf die Pressefreiheit zählt Myanmar zu den fünf repressivsten Ländern der Welt. Das fand "Reporter ohne Grenzen" heraus.Neben den staatlichen ZeitungenKyemon und Myanma Alin zählen die privaten Blätter Weekly Eleven, 7 Days News und Myanmar Times zu den wichtigsten Printmedien des Landes.Die bedeutendsten TV- Sender MRTV und Myawaddy TV befinden sich ebenso wie alle Radiosender in staatlicher Hand.Das Zensurbüro überwacht alle Medien und beschränkt Websites mit kritischem Inhalt.------------------------------Foto: Die Shwedagon-Pagode in Birmas früherer Hauptstadt Yangon (Rangun) ist Anziehungspunkt für viele Buddhisten.

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