Paul Pfarr arbeitet seit 1969 in seinem Atelier im obersten Stockwerk des Künstlerhauses am Nonnendamm 17. "Das Gebäude ist ein Teil meiner Geschichte, ich bin ein Teil seiner Geschichte", sagt der 60jährige Künstler, der sich selbst als "exakter Phantast und Sachensucher" bezeichnet. Viele Kollegen haben sich in all den Jahren mit Pfarr das vierstöckige Haus geteilt. Zur Zeit beherbergt das 1911 erbaute Klinkergebäude, in dem bis Mitte der 30er Jahre Schuhcreme hergestellt wurde, sieben Kunstschaffende.Doch die Existenz des Künstlerhauses ist bedroht. Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) will das Gebäude, wie andere bezirkliche Immobilien auch, vom 1. Januar 1999 dem Landesliegenschaftsfonds einverleiben. Durch Verkäufe und Vermietungen soll der Fonds jährlich etwa 1,6 Milliarden Mark in die leeren Landeskassen bringen.Für das Künstlerhaus bedeutet dies: Wenn sich eine lukrativere Nutzung anbietet, wird die Immobilie verkauft oder teurer vermietet. Die künftige Lage des Anwesens wird attraktiv: Wenn die Charlottenburger Schleuse fertig ist, liegt das Haus auf einer Insel zwischen altem und neuem Spreekanal. Das Areal ist als Grünfläche im Flächennutzungsplan festgeschrieben. "Wir sind froh, daß das Haus nicht der Schleuse weichen mußte", sagt Charlottenburgs stellvertretender Bürgermeister Helmut Heinrich (CDU). Bislang konnte der Bezirk, der das Gebäude seit 1960 verwaltet, nur Mietverträge mit einjähriger Dauer anbieten. "Wegen eines Vertrags von 1936 mußte sich das Land verpflichten, dem Wasserstraßenneubauamt das Gelände für den Neubau einer Schleuse jederzeit zur Verfügung zu stellen", so Heinrich. "Wir wollen dieses Haus als Kulturstandort für die Stadt erhalten", sagt Heinrich. Zwar sei kaum denkbar, daß das Haus eines Tages Gewinne abwerfe, aber es gebe Konzepte, mit denen zumindest mittelfristig eine kostendeckende Bewirtschaftung des Hauses möglich sei.Das Erdgeschoß des Hauses ist derzeit von der Bauaufsicht gesperrt. "Für etwa 335 000 Mark könnten wir die Räume aber renovieren und einer neuen Nutzung zugänglich machen", sagt Heinrich. Vorstellen könne er sich eine "Künstlerkneipe" mit Biergarten. Schließlich sollen nach der Fertigstellung der Schleuse Wege rund um die Insel entstehen. "Für Spaziergänger wäre so ein Lokal idealer Anlaufpunkt", so Heinrich. Die der Stadtautobahn zugewandte Giebelwand, auf der jetzt ein benachbarter Baustoffhändler wirbt, will Heinrich auch künftig als Werbefläche vermarkten.Die Zukunft des Künstlerhauses liegt nun in der Hand der Finanzsenatorin. "Wir geben zur Zeit keine Auskunft zu einzelnen Objekten", sagt Sprecher Dirk Wildt. Prominente Unterstützer hat das Haus bereits gefunden: "Solche Künstlerhäuser sind sehr wichtig für den Kulturstandort Berlin", sagt Volker Hassemer, Chef der Marketing-Gesellschaft "Partner für Berlin", "es wäre deshalb wünschenswert, wenn das Haus am Nonnendamm erhalten bliebe."
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