Vers- und Heldinnen-Epen haben Konjunktur. Im Jahr 2016 besang Ann Cottens „Verbannt!“ in 403 verschraubten und überdrehten Spenser-Stanzen die Geschichte einer Fernsehmoderatorin, die es auf eine Insel verschlägt, die Hegelland heißt, aber auf der nicht der Weltgeist, sondern schierer Wahnwitz regiert. 2020 erzählte Anne Weber mit souveräner Meisterinnen- und Leidenschaft in „Annette, ein Heldinnenepos“ das exzeptionelle Leben einer historischen Person, der Ärztin und Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir. Sie gehörte zu jenen, die von der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel einer „Gerechten unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde. Und die Anfang dieses Jahres erschienene Verslegende von Marion Poschmann feiert schließlich ebenfalls eine weibliche Hauptfigur: „Die Winterschwimmerin“.
Versroman
Der Dichter Homer wird in die Küche verbannt: „penelopes sch()iff“ von Ulrike Draesner
Die „Odyssee“ wird hier neu erzählt als Geschichte ihrer unterschlagenen Heldinnen, in einem ozeanischen Text, in der Brandung der Metaphern. Die Kritik.
Kirsten Voigt
5 Min
Link kopiert
Die Artikel-URL wurde erfolgreich in Ihrer Zwischenablage gespeichert.
Schriftstellerin Ulrike Draesner vor der Lesung der Nominierten in der Kategorie Belletristik im Literarisches Colloquium Berlin e. V. in 2023.
© Gerald Matzka/dpa