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Prinz Andrew und der Missbrauch

Der Fall Andrew: Ein Albtraum fürs britische Königshaus wird wahr

Im New Yorker Missbrauchsprozess bereiten die Anwälte von Prinz Andrew und Virginia Giuffre die öffentliche Schlammschlacht vor: Der Super-GAU für die Königin.

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Beinahe schon vom Hof gejagt: Königin Elizabeth II. und ihr Sohn Prinz Andrew.

Beinahe schon vom Hof gejagt: Königin Elizabeth II. und ihr Sohn Prinz Andrew.

© dpa/Joe Giddens

Prinz Andrew, 61, ist am Mittwoch vor einem New Yorker Gericht mit dem Versuch gescheitert, eine gegen ihn gerichtete Klage wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen abzuweisen. Es wird nun also zu einem öffentlichen Verfahren kommen und genau das eintreten, was das teure Anwaltsteam des britischen Royals mit etlichen Tricks versucht hatte zu verhindern. Damit wird der zweitälteste Sohn von Queen Elizabeth II. nun endgültig zu einer Belastung, wenn nicht gar Gefährdung fürs britische Königshaus. Denn auch die Klägerin, Virginia Giuffre, gab über ihre Anwälte deutlich zu verstehen, dass sie ihre Vorwürfe öffentlich verhandeln möchte. Einen Vergleich schloss sie damit – beinahe – aus.

Zu spät: Jetzt wird richtig schmutzige Wäsche gewaschen

Die Einschläge kommen nun immer näher. Erst wurden dem Prinzen alle militärischen Dienstgrade und royalen Schirmherrschaften entzogen, weil er sich in dem Prozess als privater Bürger und nicht als Royal verteidigen solle, wie der Buckingham-Palast in London am Donnerstag mitteilte und damit zugleich auf Distanz ging – „mit der Zustimmung und dem Einvernehmen der Queen“, wie es hieß. Kurz zuvor hatten mehr als 150 britische Militär-Veteranen die Königin in einem offenen Brief aufgefordert, Andrew von allen seinen Rollen im Militär zu entbinden, da er den mit den Dienstgraden verbundenen hohen Standards an ehrenhaftes Verhalten nicht gerecht geworden sei.

Dann forderte ein hochrangiger Ratsvertreter der englischen Stadt York, Andrew solle auch seinen Titel als „Herzog von York“ verlieren. „Nachdem die Queen ihm seine militärischen Rollen und royalen Schirmherrschaften entzogen hat, sollte er nun auch auf seinen Titel als Herzog von York verzichten“, sagte der Liberaldemokrat Darryl Smalley aus dem City of York Council am Freitag. Zwar sei York stolz auf seine besondere Verbindung zur Krone. Doch müssten nun alle Anschuldigungen, die gegen Andrew erhoben wurden, erst einmal aufgearbeitet werden. „Unsere großartige Stadt hat Besseres verdient“, twitterte Smalley und erhöhte damit den öffentlichen Druck aufs Königshaus.

Ausgerechnet zum 70. Jubiläum der Thronbesteigung von Elizabeth steht ihr Sohn im Mittelpunkt der schwersten royalen Krise seit langer Zeit. Die ehrwürdige Sunday Times sieht sogar schon das Wohl des Königreichs in Gefahr: „Boris Johnson musste sich bei der Königin für die Partys entschuldigen, die am Vorabend der Beerdigung ihres Mannes gefeiert wurden … Und Prinz Andrew wird vorgeworfen wird, Sex mit einem Teenager gehabt zu haben, der ihm von dem pädophilen Finanzmagnaten Jeffrey Epstein vermittelt wurde. Diese beiden Institutionen, die Regierung und die Monarchie, sind von zwei clownesken Figuren und deren Umfeld erniedrigt worden.“

Prinz Andrew und Premier Johnson: „Zwei clowneske Figuren erniedrigen Großbritannien.“

Prinz Andrew und Premier Johnson: „Zwei clowneske Figuren erniedrigen Großbritannien.“

© AP/Chris Jackson

Aber der Irrsinn geht längst weiter. Im New Yorker Missbrauchsverfahren bereiten sich die Streitparteien nämlich auf die nächste Eskalationsstufe vor. Wie aus Gerichtsakten hervorgeht, benannten die Anwälte von Prinz Andrew sowie der Klägerin Virginia Giuffre ihre ersten Zeugen. Die Klageseite will demnach zwei in Großbritannien lebende Zeugen befragen. Darunter befindet sich auch Shukri Walker, die angibt, den Royal „im Nachtclub Tramp in London mit einem jungen Mädchen in etwa der Zeit gesehen zu haben, in der die Klägerin angibt, von Prinz Andrew nach dem Besuch eines Nachtclubs missbraucht worden zu sein“, wie Giuffres Anwältin Sigrid McCawley schreibt.

Allein diese Zeugin könnte die vom Palast befürchtete Schlammschlacht auslösen. Denn weil Andrew bestritten hat, die Klägerin je getroffen zu haben oder im relevanten Zeitraum im Tramp gewesen zu sein, sei Walkers Aussage „in hohem Maße relevant“, erklärt McCawley. Dabei dürfte jedes intime Detail nicht nur den Prinzen, sondern auch die Königin treffen und deswegen für erhebliche Unruhe sorgen. Walker gab im Mirror schon mal eine Kostprobe: Sie kann sich „lebhaft daran erinnern, Andrew mit der damals 17-jährigen Frau Giuffre gesehen zu haben“ und „dass er so aussah, als hätte er eine tolle Zeit … Sie waren bei der Frau, die gerade verurteilt wurde, Ghislaine Maxwell, und Epstein“.

Auf der Gegenseite versuchen Andrews Anwälte ebenfalls mit Zeugen, die Glaubwürdigkeit von Giuffre zu erschüttern. Dazu wollen sie unter anderem die Psychologin Judith Lightfoot befragen, zu der Giuffre ging, nachdem sie nach Australien übergesiedelt war. Abgesehen von einer Befragung Lightfoots zu den Therapiesitzungen forderten die Anwälte auch die entsprechenden Aufzeichnungen der Psychologin und medizinische Unterlagen an. Andrews Anwältin Melissa Lerner begründete ihr Ansinnen damit, dass Giuffre womöglich unter „falschen Erinnerungen“ leide. Zu dieser Theorie wolle sie Lightfoot befragen – und zielt damit auf sehr persönliche, intime Details.

Ganz offenbar ein Angriff, so wie auch die Ankündigung Lerners, Guiffres Ehemann, Robert Giuffre, in den Zeugenstand zu rufen. Das Paar soll 2002 geheiratet haben und lebt mit seinen drei Kindern in Australien. Der Ehemann soll sowohl zu Giuffres „angeblichen emotionalen und psychologischen Schäden“ sowie zu ihrer finanziellen Lage befragt werden. Letzteres ruft den bereits von der Verteidigung erhobenen Vorwurf in Erinnerung, Virginia Giuffre sei nur auf das Geld aus. Mit dieser Offensive rücken die Chancen auf einen Vergleich, auf eine wie auch immer finanziell  zu bemessende außergerichtliche Einigung in noch weitere Ferne. Ob der Prinz damit gut beraten ist?

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