Lässt man die mediale und politische Aufregung mal kurz außen vor, ist eigentlich nicht viel passiert: Eine Silvesterrakete ist auf Abwege geraten, hat ein Fenster zerstört, ein paar Brandlöcher auf einem Teppich hinterlassen und Rußspuren an einer Wand. Etwas, das zu Silvester in Berlin vermutlich jedes Jahr recht oft passiert. Zum Jahreswechsel tummeln sich in Berlin viele Idioten. Und trotzdem ist der Prozess gegen den „Raketen-Influencer“ eines der bislang meist beachteten Verfahren dieses Jahr. Am Mittwoch wurde nun Atallah Younes wegen Sachbeschädigung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Dauer der Bewährung ist auf zwei Jahre festgesetzt.
Viel entscheidender als das Urteil selbst ist allerdings dessen Bedeutung für den Rechtsstaat und für die Stadt Berlin. Denn ganz schnell gab es zwei völlig widersprüchliche Ansichten. Die einen sagten: Das Ganze ist ein politischer Prozess, bei dem ein recht harmloser Vorfall mit der vollen Härte des Gesetzes verfolgt wird, weil der junge Mann so dumm war, das Video seiner Tat auch noch selbst ins Internet zu stellen und sich erwischen zu lassen. Er wird nun für alle anderen quasi mitverurteilt. Die anderen sagen: Alle jene, die das eigentlich friedliche Silvesterfest für Straftaten und Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Bürger ausnutzen, müssen auch möglichst hart bestraft werden.
Kommentar
Kommentar zum „Raketen-Influencer“-Prozess: Warum das Urteil gerecht ist
Der Schaden war gering, deshalb sprechen viele von einem politisch motivierten Prozess. In Berlin ist es nun mal hochpolitisch, was in der Silvesternacht passiert.
5 Min
Link kopiert
Die Artikel-URL wurde erfolgreich in Ihrer Zwischenablage gespeichert.
Atallah Younes (23) auf der Anklagebank in einem der meistbeachteten Verfahren dieses Jahr.
© Olaf Wagner