MADRID. Auch Diego Armando Maradona war gekommen ins Stadion Vicente Calderon zu Madrid. Seine jüngste Tochter ist mit Sergio Agüero liiert, dem Fußballhelden Argentiniens, das Paar wird bald heiraten, und Maradona hatte seine Freude am Schwiegersohn in spe. Denn der 20-Jährige spielte mit Atlético Madrid gegen Schalke 04 um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League, und es dauerte nur 19 Minuten, da hatte Agüero das 1:0 für die Spanier erzielt. Maradona jubelte mit 55 000 begeisterten Zuschauern, die nach dem letztlich verdienten 4:0-Sieg ihrer Mannschaft zum ersten mal seit 1996 für die Champions League qualifizieren konnten. Schalke hingegen bleibt die Teilnahme am Uefa-Cup, ein Rückschlag.Angst und UnsicherheitDabei hatten die Schalker, die ohne Rafinha und Jefferson Farfan spielten, dafür aber mit Jermaine Jones begonnen, wie Trainer Fred Rutten sich das vorgestellt hatte: mit viel Ballkontrolle, ruhigem Spielaufbau, was den Effekt hatte, dass Atléticos schnelle Offensivspieler zunächst wirkungslos blieben. Und vorne erarbeitete der Bundesligist sich Standardsituationen. Nach 13 Minuten verpasste Kevin Kuranyi einen Freistoß von Ivan Rakitic knapp. Doch dann passierte, was die Schalker unter allen Umständen verhindern wollten: Nach einer Kombination kam Diego Forlan zum Schuss, Marcelo Bordon rettete auf der Linie, doch die nächste Hereingabe verwandelte Agüero. Das hatte Folgen. Plötzlich schlichen sich Angst und Unsicherheit ins Schalker Spiel ein, leichtfertige Fehler im Spielaufbau wurden mit Gegenangriffen geahndet, einen davon setzte Simao aus 14 Metern an den Pfosten.Schalke wurde erst energischer, nachdem Forlan das 2:0 erzielt hatte (50.), mit einem wunderbaren Fernschuss aus 18 Metern. Zunächst waren die Schalker geschockt, vergeblich versuchten sie das Spiel zu kontrollieren, doch dann hatten sie gute Gelegenheiten. Nach 62 Minuten verpassten Fabian Ernst und Kevin Kuranyi eine Hereingabe von Halil Altintop nur um Millimeter, dann vergab Heiko Westermann unbedrängt aus sieben Metern (70.), doch nachdem der für Agüero eingewechselte Luis Garcia das 3:0 erzielt hatte (81.) war der Widerstand gebrochen. Kurz darauf sah Christian Pander nach einer Notbremse im Strafraum Rot, der Elfmeter von Maxi Rodriguez machte den Abend zum Debakel (86.). Dabei hatten die Schalker ihre Chancen gehabt, vielleicht fehlte doch der Vollstrecker Farfan.Offenbar war die Zeit für Fred Rutten doch noch zu kurz. Schon in der vergangenen Saison hatte die Mannschaft in Champions-League-Auswärtsspielen immer wieder vergeblich versucht, den Ball zu halten, Ruhe in die Partien zu bringen und engagiert anrennende Gegner wirkungsvoll zu bremsen. Manager Andreas Müller, der sich beim Hantieren mit seiner Harley so schwer an der Schulter verletzte, dass er operiert wurde und in Gelsenkirchen bleiben musste, hatte in den vergangenen Wochen immer wieder betont, der neue Trainer habe dem Team genau diese Schwäche ausgetrieben. In Madrid erwies sich das neue Konzept als noch nicht stabil genug für ein solch hohes Niveau wie Königsklasse. Für Schalke 04 ist dieses Ausscheiden aus vielen Gründen ein heftiger Rückschlag. Angestrebt war ja die baldige Ankunft im erlauchten Kreis der europäischen Spitzenklubs, das wird nun nicht mehr so einfach.Es fehlen nicht nur 15 bis 20 Millionen Euro, die mit dem Erreichen der Gruppenphase hätten eingenommen werden können, auch die Entwicklung der Mannschaft wird nun schwieriger. Stars wie Jefferson Farfan und Orlando Engelaar sind schließlich auch deshalb nach Gelsenkirchen gewechselt, weil der Klub mit dem Viertelfinaleinzug und den Spielen gegen Chelsea, Madrid oder Porto im Vorjahr die Aufmerksamkeit aller europäischen Spitzenfußballer genoss und sein Image erheblich aufpolierte. Außerdem sind die Erfahrungen, die die Spieler auf diesem Höchstniveau machten ungemein wertvoll gewesen, Rafinha, Heiko Westermann, Manuel Neuer, Ivan Rakitic oder Jermaine Jones haben einen gewaltigen Entwicklungssprung erlebt. All diese Vorzüge genießt nun Atlético. Und Schalke muss sich zu Saisonbeginn erst mal so gut erholen, dass sie wieder unter die ersten drei in der Bundesliga kommen. Es könnte ein schweres Jahr werden für den Klub.------------------------------Foto: Basisarbeit: Der Schalker Fabian Ernst (l.) versucht, Madrids Maniche auf rustikale Art zu stoppen.
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