Iran-Krieg

„Der Feind ist gezwungen“: Iran stellt neue Bedingungen für Straße von Hormus

Der Iran hält die Straße von Hormus blockiert. Teheran nennt sieben Bedingungen für die USA. Wie realistisch ist eine baldige Öffnung der Meerenge?

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Wartende Schiffe vor Bandar Abbas

Wartende Schiffe vor Bandar Abbas

© Abbas/imago

Die wichtigste Ölader der Welt bleibt gesperrt – und der Iran lässt keinen Zweifel daran, wer die Regeln bestimmen will.

Teheran hat am Samstag eine Liste harter Forderungen an die USA veröffentlicht. Erst wenn Washington sie erfüllt, soll die Straße von Hormus wieder frei befahrbar sein. Das berichten übereinstimmend mehrere Nachrichtenagenturen.

Für die Golfstaaten und den weltweiten Ölmarkt ist das ein Rückschlag. Denn durch die Meerenge lief vor dem Krieg rund ein Fünftel aller Öl- und Flüssiggaslieferungen der Welt.

Zeitgleich melden die Vereinigten Arabischen Emirate den nächsten Raketenangriff auf einen ihrer Tanker.

Was der Iran jetzt von den USA fordert

Die Forderungen stammen vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat, dem wichtigsten Sicherheitsgremium in Teheran.

Dessen Sekretär Mohammad Bagher Solghadr, zugleich Kommandeur der Revolutionsgarden, verlas die Bedingungen im iranischen Staatsfernsehen, wie AP berichtet. Die Meerenge öffne sich erst, wenn die USA „ihr Verhalten korrigieren“.

Konkret nennt der Iran diese Punkte:

  • keine Drohungen mehr gegen den Iran
  • ein dauerhaftes Ende des Krieges gegen Iran und seine Verbündeten in Libanon, Palästina, Jemen und Irak
  • Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen
  • Abzug des US-Militärs aus der Region
  • „vollständige" Entschädigung für Kriegsschäden
  • Aufhebung aller Sanktionen
  • „bedingungslose" Freigabe eingefrorener Vermögenswerte

„Der Feind ist gezwungen“ – der Kurs der Revolutionsgarden

Die Revolutionsgarden koppeln die Öffnung der Straße von Hormus demnach strikt an diese Liste. Von den laufenden Gesprächen mit dem Oman trennen sie das Thema ausdrücklich.

Letztlich sei „der Feind gezwungen, die Bedingungen des Iran … zu akzeptieren“, erklärten sie laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.

Garde-Sprecher Hossein Mohebbi drückte es so aus: Sobald Washington die Bedingungen annehme, werde die Straße von Hormus „mit Sicherheit“ wieder geöffnet.

Gespräche mit dem Oman: neue Route, alte Streitpunkte

Parallel verhandelt der Iran mit dem Nachbarland Oman über eine Durchfahrt. Außenminister Abbas Araghtschi sprach am Samstag von der „Endphase“ der Gespräche, wie AFP und Reuters berichten.

Ein Durchbruch bei der Route bedeute aber noch lange keine offene Meerenge, betonte er. Auch dafür müssten die USA zahlen – als Ausgleich für Verstöße gegen das im Juni geschlossene Rahmenabkommen.

Nach Angaben zweier mit den Gesprächen vertrauter Personen, die gegenüber AP anonym blieben, wäre die geplante Route vorübergehend: Schiffe würden nahe der iranischen Küste einfahren und nahe dem Oman wieder heraus. Gebühren wären in der Übergangszeit nicht fällig.

Warum die Zeit drängt

Das Abkommen soll eine 60-Tage-Frist für Atomverhandlungen zwischen Iran und USA neu starten. Die aktuelle Frist läuft in gut einer Woche aus.

Irans Präsident Massud Peseschkian nannte den Zeitpunkt günstig: Der Iran gelte in diesem Krieg als „siegreich und stark“, zitiert ihn Reuters.

Zustimmen muss am Ende auch der oberste Führer Mojtaba Khamenei, wie Bloomberg berichtet.

Warum die Straße von Hormus den Ölpreis bewegt

Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist ein Nadelöhr der globalen Energieversorgung. Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist der Verkehr weitgehend blockiert.

Einige Schiffe passieren die Route dennoch – teils mit Unterstützung des US-Militärs und oft mit abgeschalteten Transpondern, um nicht geortet zu werden.

Die Anspannung zeigt sich am Markt: Die Ölsorte Brent schloss laut Bloomberg zuletzt bei über 83 Dollar je Barrel – die dritte Verlustwoche in Folge.

Angriffe auf Tanker: Der Fall des ADNOC-Schiffs

Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich am Samstag erneut. Die Emirate machten den Iran für einen Raketenangriff auf einen Tanker des Staatskonzerns ADNOC verantwortlich, das meldete die staatliche Agentur WAM. Verletzt wurde offenbar niemand.

ADNOC erklärte laut AFP, seit Februar seien 15 seiner Schiffe in der Straße von Hormus attackiert worden, drei davon allein in dieser Woche. Nach AP-Angaben kam ein Besatzungsmitglied ums Leben, 20 wurden verletzt.

Die britische Meeressicherheitsbehörde UKMTO teilte mit, ein Schiff sei von einem Geschoss unbekannter Herkunft getroffen worden; ein Brand sei gelöscht, die Besatzung unverletzt. Der Oman verurteilte die „wiederholten Angriffe“ auf Schiffe – ohne den Iran ausdrücklich zu nennen, wie AFP und Reuters berichten.

Wie Washington auf die Bedingungen reagiert

Aus dem Weißen Haus kam laut AP zunächst keine offizielle Antwort auf die neue Forderungsliste.

Ein US-Vertreter hatte am Freitag gegenüber Reuters erklärt, die Blockade iranischer Häfen werde aufgehoben, sobald ein Abkommen zur Wiederaufnahme des Handelsverkehrs verkündet sei.

Vizepräsident JD Vance dämpfte im Sender Fox News die Erwartungen, wie Bloomberg berichtet. Man sei „mitten im Spiel“. Offen sei etwa, ob der Iran verlegte Seeminen räume und zusichere, keine Handelsschiffe mehr zu beschießen.

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