Fachgeschäfte in Berlin

Der Fernsehturm als Zimmerspringbrunnen

Wachstücher, Würmer und allerelei mehr Spezialgeschäfte: Wozu das alles auch gut sein kann.

Barbara Weitzel
3 Min
Der Berliner Fernsehturm. Nicht als Zimmerspringbrunnen, aber immerhin in echt.

Der Berliner Fernsehturm. Nicht als Zimmerspringbrunnen, aber immerhin in echt.

© Imago Images

Der Brunnen ihrer Begierde sah aus wie der Berliner Fernsehturm. Ich sah ihr trauriges Gesicht und dachte: Hey, so einen Brunnen zu bauen, kann doch nicht schwer sein, Schüssel, Rohr, Kugel mit Löchern, Spitze drauf, Pumpe rein, Wasser an und schon sprudelt es munter aus dem kleinen Wahrzeichen. Welche Materialien ich verwendete, weiß ich nicht mehr, nur dass ich für die Pumpe in eines dieser Geschäfte musste, in denen es überall raschelt und scharrt, die Luft irgendwie dicker ist als anderswo und wo es viele Gegenstände gibt, deren Zweck sich nicht von selbst erklärt.

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Die Pumpe für den Zimmerspringbrunnen

An diese sehr speziellen Orte mit ihrem sehr speziellen Angebot und die Menschen, die darin arbeiten mit ihrem sehr speziellen Wissen denke ich immer, wenn ein Geschäft auftaucht, das sich voll auf eine Sache konzentriert und das ich deswegen wahrscheinlich nie oder nie mehr als Kundin aufsuchen werde.

Man braucht ja nicht alle Nase lang eine Aquariumspumpe. Zumal wenn man keine Fische hat. Oder Wachstuch. Es gibt wirklich Läden, die nur Wachstuch verkaufen. Rollenweise steht es in den Schaufenstern, geblümt, mit Ranken oder Obst drauf, und auch mit Aufschrift: „All you need is love“. Und Wachstuch, ergänzt man innerlich.

Seltsames tägliches Vokabular

In manchen Läden kann man nur Jalousien kaufen, in anderen nur Helikoptermodellbauzubehör und in wieder anderen alles zum Angeln. „Maden, Würmer, Kopflampen“ wirbt der Straßenaufsteller eines solchen Geschäftes, und ich denke: Wie viele kleine Welten doch in dieser großen stecken.

Und von den Menschen, die dort arbeiten. Wie fühlt es sich an, wenn man 750 Sorten Wachstuch, ihre Vorzüge und Nachteile kennt und Worte wie „Schnittkante“ und „Paspelband“ zum täglichen Vokabular gehören? Ich werde es nie zu solch einem Spezialistentum bringen. Trotzdem bin ich froh. Denn man fragt sich doch immer wieder: Wie haben diese Geschäfte bis heute den Online-Handel, die Konsumparks an den Stadträndern und die Shoppingmalls überlebt? Genau. Weil man sich dort auskennt.

Der Zimmerspringbrunnen damals hat, nach einem Fachgespräch mit dem Zoohandlungsmitarbeiter, formidabel funktioniert – und dabei hat ja so ein Fernsehturm in der Schüssel nicht mal was mit Tieren zu tun. Ich hoffe, all diese Geschäfte halten sich weiter. Auch wenn ich weder Jalousien noch Wachstuch brauche. Es ist gut, dass es sie gibt.

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