Der Film "Der Untergang" kommt in die Kinos - und das Interesse an authentischen Orten nimmt zu

Hinunter in die Vergangenheit

Marcel Gäding
4 Min

Wenn die Busse von Berlin City Tour in der östlichen Innenstadt unterwegs sind, bleiben sie häufig in der Wilhelmstraße stehen. Der Reiseleiter an Bord zeigt dann mit dem Finger auf einen unscheinbaren Plattenbau aus DDR-Zeiten. Hinter den Häusern befand sich der Bunker, in dem Adolf Hitler Schutz suchte vor den Angriffen der Alliierten. Dort nahm er sich das Leben. Bald könnte rund um die Plattenbauten noch mehr los sein. Hitlers letzte Tage bilden den Stoff für den Film "Der Untergang" mit Bruno Ganz, der Donnerstag anläuft.Dirk Poguntke ist der Chef von Berlin City Tour. Den Film will er sich anschauen. Werktags fahren seine Busse alle 45 Minuten durch die Wilhelmstraße, am Wochenende jede halbe Stunde. "Das Interesse an Orten aus der Zeit des Nationalsozialismus ist groß", sagt er. Vor allem bei Briten und US-Amerikanern gehören diese Orte zum Programm jeder Stadtrundfahrt. Poguntke hat dabei festgestellt, dass Briten sich gut auskennen, Amerikaner fragen dagegen schon mal, ob die Berliner Mauer im Zweiten Weltkrieg unversehrt blieb. Was sie aber meist alle wissen wollen: "Wo befindet sich der Hitler-Bunker?" Die Reiseleiter weisen sie dann immer auf einen Hügel hinter der Wilhelmstraße hin. Mehr ist nicht übrig geblieben von dem bekanntesten Luftschutzraum Hitler-Deutschlands. Was bleibt, ist die Faszination des Grauens. "In erster Linie sind die Amis begeistert, wollen neben dem so genannten Führer-Bunker auch den Flughafen Tempelhof sehen", sagt Poguntke - wegen der dortigen Nazi-Architektur.Über wachsendes Interesse an der NS-Geschichte berichtet auch die Berlin Tourismus Marketinggeselschaft (BTM). Sprecherin Natascha Kompatzki sagt: "Gerade Jugendliche aus Großbritannien und den USA sind interessiert daran und fragen nach Orten und Plätzen." Wegen der großen Nachfrage bietet die BTM einen Stadtplan mit dem Titel "Berlin - Drittes Reich" in ihren Tourist-Centern zum Kauf an. Auf jeden Fall dürfte sich der Verein Berliner Unterwelten auf einen Zulauf freuen. Er wurde 1997 von neun Berlinern gegründet, die zunächst als "Bunkerküsser" und "Betonromantiker" verschrien waren. Inzwischen verfügt der Verein über 160 Mitglieder und ein eigenes Unterwelten-Museum. Zudem hat er vier Bunker so weit zugänglich gemacht, dass er dort Führungen anbietet. "Wir machen Geschichte von unten erlebbar", sagt Vereins-Chef Dietmar Arnold. Immer mehr Neugierige wollen das sehen. Voriges Jahr wanderten 25 000 Menschen durch die unterirdischen Gewölbe. In diesem Jahr rechnet der Verein mit 35 000 Interessenten. Dietmar Arnold fungierte auch als Berater für den Film. Sein Verein besitzt die einzige Dokumentation über den so genannten Führer-Bunker. Zu Kriegsende räumten die Sowjets den Bunker aus. In den 70er-Jahren fotografierte die Staatssicherheit alles und legte Lagepläne an. Dann wurden die Schutzräume gesprengt. Aus den Stasi-Unterlagen sowie aus Interviews mit Überlebenden zeichnete Arnold einen Plan für die Filmkulisse.Am Sonntag hat sich Dietmar Arnold den "Untergang" bei der Berlin-Premiere angesehen. "Hervorragend", findet er ihn. Die Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist der Film fast ein Stück von ihm. 18 Jahre lang hat er - erst als Privatmann, dann als Vereinsvorsitzender - an dem Bunker gearbeitet. Jetzt kämpft er darum, dass wenigstens die Reste erhalten werden. "Schließlich endete an dieser Stelle der Zweite Weltkrieg."------------------------------Karte: Rund um die Wilhelmstraße, der Machtzentrale des Dritten Reichs, befanden sich viele Schutzräume der Nazi-Herrscher. Hitlers Bunker wurde in den 70er-Jahren gesprengt. Das Areal lockt viele Touristen aus dem In- und Ausland an. Auf den Flächen zwischen Behrenstraße und Voßstraße stehen heute die Vertretungen mehrerer Bundesländer, das Holocaust-Mahnmal ist in Bau.------------------------------Foto: (2) Blick auf den Eingang des Fahrerbunkers, der in der Nähe des Führer-Bunkers lag, kurz nach der Wende. Heute ist das Areal eine ganz normale Grünfläche. Auf den Bunker gibt es keinen Hinweis.

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