Die Geburtsklinik in Mariupol, die Schule in Charkiw, das Einkaufszentrum in Kiew, das Massengrab von Butscha, der Bahnhof von Kramatorsk: Seit dem 24. Februar verüben Soldaten der russischen Armee Terror gegen die ukrainische Bevölkerung. Journalisten vor Ort dokumentieren das für die Welt. Manchmal sieht man sie mit ihren Westen, auf denen deutlich „Press“ steht. So eine trug auch der ukrainische Fotograf und Dokumentarfilmer Maks Levin, als er am 13. März zu einem Kampfplatz nahe Kiew fuhr. Erst am 1. April wurde seine Leiche im Dorf Guta Mezhyhirska gefunden. Er wurde 41 Jahre alt. An ihn wurde am Freitag im Pilecki-Institut in Berlin erinnert.
Wie nah Polen und die Ukraine seit dem Krieg beieinander sind, ist schon beim Betreten des Gebäudes am Pariser Platz spürbar. Hier hängen in einer kleinen Ausstellung Textbotschaften aus der Ukraine. Da berichten Menschen wie Hanna, die glaubt, dass nicht alle fliehen dürfen, damit die Verteidiger wissen, „dass sie nicht um leere Häuser kämpfen“, wie Karolina, die erlebte, wie Soldaten ihre Mutter erschossen, „sie waren 18–20 Jahre alt und konnten kaum eine Waffe halten“.
Maks Levin hinterlässt vier Söhne
Maks Levin hat solche Menschen fotografiert. Einige Bilder, die an diesem Abend zu sehen sind, zeigen Kinder und alte Leute auf beschwerlicher Flucht. Auf anderen hielt der Fotograf die Verteidiger seiner Heimat fest. Levin dokumentierte auch die Zerstörung: aufgerissene Straßen, Trümmerfelder. Neben ukrainischen Agenturen nahmen internationale Auftraggeber wie AP, Reuters und die BBC seine Arbeiten. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte am 5. März eine Aufnahme von Maks Levin als Titelbild: ein von einer Rakete in der Mitte zerrissener Wohnblock.
Ukrainische Soldaten in Vasylkiv nahe Kiew am 26. Februar
© Hromadske/Maks Levin
Freunde des Fotografen und die Initiative junger Ukrainer Vitsche-Berlin haben den Abend organisiert, lassen per Zoom sogar Levins Lebensgefährtin zuschalten. Jetzt wird auch Geld gesammelt, um sie und die vier Söhne zu unterstützen (über die Webseite ukraine-hilfe-berlin.de). Nastya Stanko, die mit Maks Levin für den Internetsender hromadske.tv zusammengearbeitet hat, erzählt, dass er seit dem Krieg im Donbass viele Soldaten kannte. Sie ließen ihn in Bereiche, die für Journalisten verboten waren. Dennoch sei er nicht leichtsinnig gewesen, er sah es als seine Verantwortung, möglichst viel zu dokumentieren. „Im ersten Monat des Krieges war er an fünf verschiedenen Orten.“
Im Untergeschoss des Hauses ist eigentlich die Dauerausstellung über den Namensgeber des Instituts, Wiltold Pilecki, eingerichtet. Jetzt werden hier Sachspenden für die Ukraine gesammelt. In allen Ecken sind Kisten gestapelt. Ausgerechnet vor den Tafeln über den Krankenbau von Auschwitz stehen Umzugskartons mit der Aufschrift „Spritzen, Nadeln, Katheter“.
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