Herr Heinrich, am Freitag starten Sie mit dem 1. FC Union Berlin in die Oberliga-Saison. Sie haben in der Nationalelf gespielt, waren mit Borussia Dortmund Meister und Champions-League-Sieger. Warum tun Sie sich die vierte Liga noch an?Warum zerbrechen Sie sich darüber den Kopf? Unfassbar, was ihr Reporter für einen Quatsch fragt.Die Oberliga gilt als Knüppelliga. So mancher Amateur wird danach trachten, dem prominenten Kollegen eins auf die Socken zu geben.So schlimm wird es nicht. Ich habe letzte Saison für Ludwigsfelde in dieser Liga gespielt. Da war einer unter dreißig Gegenspielern, der solche Motive hatte und sich profilieren wollte. Aber ein Zweikampf bleibt ein Zweikampf, ob in der Bundesliga oder in der vierten Liga.In Ludwigsfelde haben Sie es recht ruhig angehen lassen, auch mal Urlaub gemacht, wenn ein Spiel anstand. Außerdem haben Sie primär als Spielerberater gearbeitet.Das mache ich auch weiterhin, nur nicht mehr so intensiv. Ich habe eine eigene Agentur mit einem Partner, der jetzt mehr gefordert ist.Es schien jedenfalls, als ließen Sie Ihre Karriere ausklingen - bis Union-Trainer Frank Lieberam anrief.Sie tun fast so, als sei ich 48 und täte besser daran, nicht mehr zu kicken. Ich bin aber erst 35. Okay, ich bin jetzt etwa ein Jahr raus aus dem richtigen Wettkampfsport. Aber fit bin ich und ehrgeizig. Ich will es nochmal wissen und Meister werden.Gibt es keine anderen Motive für das Engagement, finanzielle vielleicht?Nein, das können Sie glauben.Was verdient man in der Oberliga?Das Geld spielt keine Rolle. Das war bei den Vertragsgesprächen null Thema. Ich habe es nicht mehr nötig, des Geldes wegen zu kicken. Ich habe Spaß am Fußball, ganz einfach. Den kann ich jetzt noch einmal auf einem hohen Niveau ausleben. Union arbeitet unter Profibedingungen, wir haben in der Vorbereitung bis zu dreimal am Tag trainiert. Da hat sich mein Körper schon gemeldet. So oft gefordert wurde ich nicht einmal in der Bundesliga.Verstehen Sie, dass mancher dennoch skeptisch ist und abfällig auch von der Altherrenriege beim 1. FC Union mit Ihnen, Schwanke und Teixeira gesprochen wird?Sollen sie alle reden, es ist mir egal. Wir ziehen unser Ding im Sinne der Fans durch. Ich werde immer wieder um ehrlichen Fußball mit Leidenschaft gebeten. Die Leute sind hier die letzten zwei Jahre nur mit hängenden Köpfen aus dem Stadion gegangen. Man spürt die Sehnsucht nach Erfolg. Die wollen wir befriedigen.Wohin führt der Weg des Vereins?Hier kamen 2 000 Fans zum ersten Training nach der Sommerpause - das hat so mancher Erstligist nicht. Ich denke, der Verein gehört in die zweite Liga. Aber jetzt machen wir erst einmal den ersten Schritt.Das Gespräch führte Matthias Wolf.------------------------------Foto: Jörg Heinrich (35), zweimal Meister mit Dortmund, 37 Länderspiele.
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