Es ist noch gar nicht lange her, da sollten die 134 Kugelahornbäume auf dem Gendarmenmarkt gefällt werden. Das waren nämlich DDR-Gewächse. Vor zehn Jahren noch hielt man solch ein Baummassaker auf dem ansonsten fast grünlosen Areal für angemessen. Das hat ein klares Bürgervotum 2011 verhindert. Aber saniert werden sollte der Platz.
Passiert ist - Stand Herbst 2019 - nichts. Die Bäume stehen, Aber auch das sanierungsbedürftige Pflaster ist voller Stolperfallen wie anno dunnemals.
Gendarmenmarkt als steinerne Fläche
© Wikipedia/CC BY 3.0/Guido Radig
Dabei ist flächendeckender schlesischer Granit - historische gesehen - gar keine Pflicht auf dem Gendarmenmarkt. Wie die Aufnahme aus dem Jahr 1900 zeigt, macht sich der beliebte Ort, angeblich einer der schönsten Plätze Europas, auch in Grün sehr schön. Rasen, Wasserbecken, Blumen, Stauden, Büsche - alles sehr gepflegt.
Aber wo sollten die Schankgärten ihre Tische, Sonnenschirme und Tresen aufstellen und das Business blühen lassen. Eine innerstädtische Grünfläche passt auch gar nicht zu dem vor allem von Touristen geliebte Open-Air-Klassik-Event im Sommer. Man kann nicht alles haben. Nun hat man eben sommers einen Hitzespeicher.
Ein anderer Teil der Historie: Auf dem Gendarmenmarkt, genauer vor der Weinstube Lutter & Wegner, begann die Geschichte der Berliner Gehwegbefestigung: Die Inhaber ließen 1824 vor dem Lokal in Privatinitiative große, ebene Platten aus Granit verlegen, damit die Kundschaft sicheren und sauberen Fußes die Lokalität betreten konnte. Das Vorbild überzeugte den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III.. Das wollte er überall in der Stadt.
Berlin in historischen Aufnahmen
Jeden Donnerstag neu erzählen wir exklusiv auf berliner-zeitung.de ein Stück Berliner Stadtgeschichte anhand von Fotos.
Haben Sie auch ein Bild, das dafür in Frage kommt? Dann schicken Sie es uns an online@berliner-zeitung.de
Zuvor hatten Fußgänger auf dem Markt mit Sand und Matsch zu kämpfen, malträtiert von Pferdehufen und übersät mit Pferdeäpfeln. Denn seinen bis heute glücklicherweise unangefochten Namen erhielt der Marktplatz 1799 in Erinnerung an die Pferdeställe des Kürassierregiments der Gens d’armes, die der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. 1736 hier errichten ließ. Dessen Sohn, Friedrich der Große, ließ die Stallungen im Jahr 1773 abreißen und das erste kleine Komödientheater zwischen die beiden Kirchen setzen.
Markt hielt man aber weiterhin, Darstellungen zeigen noch um 1890 ziemlich wüste Marktstände. Legendär: der Gänsemarkt in der Vorweihnachtszeit.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de