Der Hamburger SV und der FC Bayern liefern sich ein ordentliches Kampfspiel ohne Tore

Tiefe Wunden

BLZ
3 Min

Berlin Plötzlich tat sich doch noch einmal eine Lücke in der Abwehr der Bayern auf, Mladen Petric erkannte das Glück, passte mit dem richtigen Timing auf Jonathan Pitroipa, der samt Ball losspurtete, allein auf das von Jörg Butt gehütete Tor zu, und dann überkamen Pitroipa diese Fragen. Wie schließe ich ab? Mit rechts? Mit links? Mit dem Vollspann? Mit der Innenseite? Mit einem Lupfer? Einem Flachschluss? Pitroipa entschied sich in der 80. Spielminute für letzteres und traf mit seinem Rechtsschuss nur den Pfosten. So blieb es im Freitagsspiel der Fußball-Bundesliga beim 0:0 zwischen dem Hamburger SV und dem FC Bayern.Müller macht's vorEigentlich kann man über das Stadion des Hamburger SV ja nicht meckern, entwickelt sich wirklich fast immer eine tolle Atmosphäre darin, vielleicht sogar die beste in der Liga. Aber früher oder später im Jahr, dieses Mal wegen des nasskalten Oktobers etwas früher, wird der Rasen in diesem Stadion wegen des miserablen Mikroklimas im Rund zum Ärgernis. Jeder Schritt hinterlässt dann Spuren, jedes Tackling reißt eine tiefe Wunde in das Grün, so dass es ab einem gewissen Zeitpunkt im Spiel nicht mehr den Anforderungen der Fußballmoderne entspricht. Fehler im Annahme- und Passspiel hat das zur Folge, was nicht nur den Fußballästheten, sondern auch den einen oder anderen Akteur um die Freude am Spiel bringt. Die Fußballromantiker werden entgegnen: Ist doch gut und schön so, endlich mal wieder ein Kampfspiel mit den Unwägbarkeiten eines abenteuerlichen Untergrundes.Wem das mit dem Rasen natürlich am Freitagabend nichts ausgemacht hat? Natürlich dem Nationalspieler Thomas Müller, der - so wichtig die Partie auch sein mag - mit der Entspanntheit und Freiheit eines Bolzplatzfußballers an die Sache herangeht. Über Müller gelang den ersatzgeschwächten Bayern dann auch die Befreiung aus einer anfänglichen Umklammerung, über Müller kamen die so schlecht wie noch selten in die Saison gestarteten Bayern auch zu ihren ersten Torchancen. Bei der ersten kreuzte der 21-jährige Mittelfeldstürmer von der linke Seite nach innen und prüfte mit einem kräftigen Rechtsschuss die Widerstandskraft der Fingerknochen von HSV-Torhüter Frank Rost (15.). Bei der zweiten, keine vier Minuten später, spielte er Mario Gomez frei, der allerdings etwas hastig den Abschluss suchte.Was Müller für die Bayern, war Tomßs Rincón für die Hamburger, die nach vierzig Minuten einen Torwartwechsel vornehmen mussten. Jaroslav Drobny kam für den verletzten Rost. Der Venezolaner Rincón jedenfalls gewann mit seiner Leidenschaft bald Dominanz im zentralen Mittelfeld, wo Bayerns Bastian Schweinsteiger in der ersten Hälfte erstaunlich viele Ballverluste hatte. Rincón war hingegen fast immer Ausgangspunkt der Hamburger Torgefahr, allerdings brachten sich die Spieler von Trainer Armin Veh durch Fehlentscheidungen am und im Strafraum der Bayern um die Chance auf die Führung.So sehr sich die beiden Teams auch mühten - mit zunehmender Spieldauer gewann man die Gewissheit, dass es hier keinen Sieger geben wird. Immer unpräziser wurden die Aktionen, immer öfter landeten Torschüsse und Zuspiele in den gegnerischen Beinen. Die besten Möglichkeiten vergaben für den HSV Ruud van Nistelrooy, dessen Versuch nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit von Anatolij Timoschtschuk entschärft wurde, sowie Piotr Trochowski, der an Bayern-Keeper Butt scheiterte (75.). Und natürlich darf man Pitroipa in dieser Aufzählung nicht vergessen. (BLZ)------------------------------Foto: Kriechgang: Bayern-Stürmer Mario Gomez buckelt vor Heiko Westermann.

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