Der Höfliche

Hendrik Munsberg
3 Min

Begonnen haben alle BDI-Chefs so: zurückhaltend, höflich, beinahe bescheiden. Selbst Michael Rogowski, der im Berliner Regierungsviertel wegen seiner Vorliebe für Maximalforderungen inzwischen gern als "Rigorowski" verspottet wird, war - bevor er im Januar 2001 das Präsidentenamt beim Bundesverband der Deutschen Industrie antrat - um behutsames Auftreten bemüht. Nun schickt sich Jürgen Thumann, 63, an, die Führung der mächtigsten deutschen Wirtschaftslobbyorganisation zu übernehmen. Und auch der Neue lehnte es bei seiner Vorstellung in der Vorwoche ab, laute Forderungen an die Politik zu richten - schon weil er durch die Delegiertenversammlung des BDI erst noch gewählt werden müsse, bevor er im Januar sein angestrebtes Amt antritt. Doch Thumann, Miteigentümer und Lenker der Düsseldorfer Heitkamp & Thumann KG, eines weltweit operierenden mittelständischen Unternehmens der Metall verarbeitenden Industrie, scheint entschlossen, der Stimme des Industrieverbands eine andere Färbung zu geben - weg vom bisherigen heavy-metal-sound. Er sei von Natur aus höflich, sagt Thumann über sich. Und vielleicht seien die Menschen ja bereit, seiner Art eher zu folgen. "Ich hoffe, ich überschätze mich nicht." Allerdings kreist auch sein Denken in erster Linie um die Regeln der globalisierten Ökonomie. "Wir müssen der Konkurrenz immer einen Quantensprung voraus sein", sagt er. Darin sieht er auch das Erfolgsrezept für die deutsche Wirtschaftspolitik. Klar, dass so einer nicht für starre Wochenarbeitszeiten, mehr Mitbestimmung oder gegen Atomkraft ist. Rund 2 300 Mitarbeiter beschäftigt die Heitkamp & Thumann-Gruppe derzeit an 16 Standorten in Europa, USA und Asien. Für alle gilt die strenge Firmenphilosophie: produziert werden nur Güter, bei denen die Chance besteht, Weltmarktführer zu bleiben oder zu werden. Gegenwärtig sind das Batteriebecher und -hülsen, Aerosoldosen für Asthmasprays, außerdem Schienen für Autositze und Ventile für ABS-Bremsanlagen. "Wir sind alles in allem profitabel", sagt Thumann und lächelt. Was zeigen soll, dass das Geschäft so richtig brummt. Jürgen Thumann, geboren im westfälischen Schwelm, Vater zweier Töchter, trägt gern graue Flanellhosen und dunkelblaue Sakkos, dazu ein auf die Krawatte abgestimmtes Tuch. Er kam als Unternehmersohn zur Welt, schloss die Schule mit der mittleren Reife ab, absolvierte eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann. Nach dem Tod des Vaters übernahm er dessen Firma, baute sie aus und verkaufte sie. Später gründete er zusammen mit einem Partner das heutige Unternehmen. Man merkt Thumann an, dass er gewohnt ist, anderen Weisungen zu erteilen. Als er einen Film über die eigene Firma ankündigt, sagt er seinem Geschäftsführer höflich, aber bestimmt: "Herr Scholz, Sie sind mal so nett und fahren den Film ab und anschließend ergreifen Sie auch das Wort." Woraufhin Herr Scholz wirklich sofort den Projektor anwirft und anschließend ausgiebig Daten und Fakten über die Firma vorträgt. Mal sehen, wie die Politik demnächst auf Jürgen Thumann hört.------------------------------Foto: Jürgen Thumann, ab Januar der neue Chef des BDI

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