Der krebskranke Michael Douglas hat gelernt, mit Lebenskrisen umzugehen

Ein wenig Ruhe

Sebastian Moll
4 Min

New York Von seinem Kampf gegen den Krebs soll die Öffentlichkeit so wenig wie möglich mitbekommen. Nur eine Journalistin, Donna Freydkin von USA Today, durfte seit Beginn der Therapie Michael Douglas in dessen New Yorker Apartment besuchen. Der Hollywood-Star zeigte sich der Reporterin so aufgeräumt und optimistisch wie in den vergangenen Wochen.Er riss Witze über seine Krankheit, erzählte, wie sehr er es genieße, bei seinen Kindern zu sein und Sportübertragungen zu schauen, er berichtete über seine Pläne für eine Weltreise mit der Familie, sowie für seine nächste Rolle, er will den 60er-Jahre Glamour-Star Liberace spielen.Immer im RampenlichtDie regelmäßigen Verlautbarungen von Douglas' Publicity-Agenten in den vergangenen Wochen schlugen in dieselbe Kerbe. Immer wieder war zu hören, er sei optimistisch und guter Dinge. Gerüchte, er habe bereits sein Testament gemacht, wurden vehement dementiert, und als Oliver Stone, Regisseur der beiden "Wall Street"-Filme, sich "sehr besorgt" über Douglas ' Zustand äußerte, kam sofort eine Pressemitteilung, dass es dazu nicht die geringste Veranlassung gebe. Michael Douglas hat offensichtlich aus seiner Vergangenheit gelernt.Seit Jahrzehnten spielen sich die Dramen seines Lebens unter genauer Beobachtung der Öffentlichkeit ab. Seinen Kampf mit dem Krebs trägt er jedoch lieber im Privaten aus. Der Informationsfluss ist scharf kalkuliert und penibel gesteuert.Vor gut 20 Jahren, Ende der Achtzigerjahre, hatte Douglas noch nicht derart professionelle Imageberater. Er war damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere, hatte gerade einen Oscar gewonnen und mit "Fatal Attraction", "Basic Instinct", dem "Rosenkrieg" und "Wall Street" einen Kassenhit nach dem anderen gelandet. Privat zerbröselte jedoch sein Leben, die Boulevardpresse weidete sich daran. Monatelang waren überall Berichte zu lesen, dass Douglas sich außereheliche Affären in Serie leiste und dass er dem Alkohol verfallen sei. Und als er eine Alkoholtherapie machte, rissen die Gerüchte nicht ab, er lasse sich auch wegen seiner Sex-Sucht behandeln.Das Alkoholproblem bekam Michael Douglas wieder in den Griff, seine Ehe mit der Diplomatentochter Diandra Luker hingegen zerbrach. Cameron, der Sohn von Douglas und Luker, erholte sich von dieser turbulenten Zeit auch nicht wieder. Cameron wusste mit sich und seinem Leben nichts anzufangen, wurde drogensüchtig und landete in diesem Frühjahr wegen Drogenhandels für fünf Jahre im Gefängnis.In dieser ganzen Zeit konnte Douglas nie dem Rampenlicht entkommen. Das Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater, dem 40er- und 50er-Jahre Kinohelden Kirk, wurde noch einmal haarklein aufgerollt: Wie dieser sich mehr um seine Karriere gekümmert habe, als um seinen Sohn, wie Michael gegen den immensen Erfolgsdruck in der Familie ankämpfen musste und darum, seinen eigenen Weg zu finden, und wie er schließlich all die Fehler, die Kirk Douglas mit ihm gemacht hatte, mit Cameron wiederholte.Im Anlauf zum Remake von "Wall Street" im vergangenen Sommer war all dies dann noch einmal überall zu lesen. Die Glamour-Magazine von Vanity Fair bis Men's Journal hatten sämtlich Michael Douglas auf den Titel. Überall präsentierte er sich als der gereifte Mann, der nun erkannt hat, worauf es im Leben ankommt und der ein wenig Frieden mit sich und seinem Leben gemacht hat. Doch dann kam die Krebs-Diagnose. Und diese erneute Begegnung mit dem Schicksal möchte Douglas nach so vielen Jahren in der Öffentlichkeit offensichtlich so weit wie möglich im Stillen austragen."Wie kann es sein, dass Du so gut aussiehst", fragte David Letterman Douglas Anfang September in seiner Show. "Ganz einfach - ich bin auf der Bühne", erwiderte Douglas. Der Hollywood-Star wirkte wie ein Mann, dem das Alter nichts anhaben kann. Als er, immer noch breit grinsend, auf Lettermans Frage, wie es ihm denn gehe, antwortete, er habe Krebs, wollte das Publikum ihm das auch nicht so recht glauben. Ein verlegenes Lachen tönte von den Rängen, so, als habe Douglas einen Witz gemacht, der nicht so ganz funktioniert. Doch ihm war es bitter ernst. Rund einen Monat zuvor hatte man bei ihm einen Walnuss-großen Tumor an der Zungenwurzel gefunden, kurz vor der Show hatte die Therapie begonnen.------------------------------Der Wunsch nach einem dritten KindMichael Kirk Douglas, eigentlich Michael Issurovitch Demsky, kam in New Brunswick, New Jersey, zur Welt. Der Sohn des Schauspielers Kirk Douglas und dessen erster Frau Diana hatte bereits als Achtjähriger einen kleinen Auftritt in dem US-amerikanischen Film "Der weite Himmel".Die Krebserkrankung des Hollywood-Schauspielers wurde im August bekannt. Die Ärzte rechnen mit einer vollständigen Genesung, sagte damals ein Sprecher des Schauspielers. Douglas selbst gab sich damals sehr optimistisch und ist es angeblich auch jetzt.In der Öffentlichkeit wird fast täglich darüber spekuliert, wie Michael Douglas mit seiner Erkrankung umgeht. Vor ein paar Tagen meldeten die Nachrichtenagenturen, dass Douglas sich mit seiner Frau, Oscar-Gewinnerin Catherine Zeta-Jones, noch ein drittes Kind wünsche.------------------------------Foto: Michael Douglas hofft, dass seine Krankheit diesmal eine Privatsache ist.

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