Jung, smart, eloquent - so zeigt sich Egemen Bagis, der erste Europaminister der Türkei. Jemanden wie ihn braucht das Land. Einer, der sich als Chefunterhändler um den Beitrittsprozess zur Europäischen Union kümmert. Und dafür ist ein gutes Verhältnis zu Deutschland besonders wichtig. Daher saß er natürlich auf der Tribüne, als Deutschland gegen die Türkei in der Qualifikation zur Europameisterschaft spielte. Und da hörte er dann die Pfiffe gegen Mesut Özil, als der für die deutsche Mannschaft auf den türkischen Torhüter losstürmte. Natürlich kannte er auch die deutsche Debatte um Zuwanderung und Überfremdung. Gestern dann ging Bagis in die Offensive: Er forderte seine Landsleute und alle Deutschen türkischer Herkunft in einem Interview mit der Bild-Zeitung auf, sich besser zu integrieren. "Lernt Deutsch! Passt euch den Sitten und Gebräuchen eures Gastlandes an." Und, klar, seine Lieblingsbotschaft durfte nicht fehlen: Integration bedeute auch die Einbindung der Türkei in die Europäische Union.Der 40-jährige Familienvater aus dem ostanatolischen Bingöl lebte sieben Jahre lang in den USA und studierte an der City University in New York Personalmanagement. 2002 zog er als Istanbuler Abgeordneter der konservativen Regierungspartei AKP ins Parlament ein. Er war außenpolitischer Berater Erdogans und Vorsitzender der türkisch-amerikanischen Parlamentariergruppe. In der Zeit legte die AKP den Grundstein für ihre "Zero-Problems"-Politik mit den Nachbarn. Im Januar 2009 ernannte ihn der Premier zum Europaminister. Unter dem damaligen Außenminister Ali Babacan gingen die Beitrittsverhandlungen nicht so recht voran. Mit dem jungen Bagis hoffte Erdogan, den Gesprächen wieder neues Leben einzuhauchen.Seitdem drückt Egemen Bagis aufs Tempo. Drei Kapitel der Beitrittsverhandlungen wurden während seiner Amtszeit eröffnet: Lebensmittelsicherheit, Steuerpolitik und Umwelt. Ein Dutzend wurden seit 2005 eröffnet, eines ist seitdem abgeschlossen. Bis Ende 2013 will Ankara alle Bedingungen für einen EU-Beitritt erfüllt haben. Unermüdlich betreibt der Europaminister Lobbyarbeit für sein Land und ist überzeugt, dass die Türkei in die EU gehört.Er strotzt vor Selbstbewusstsein. Das zeigt er, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Bagis sieht sein Land nicht mehr nur als Bittsteller vor den Toren der EU, sondern als einen Gewinn für die Gemeinschaft. Er betont, dass auch Europa die Wirtschaftskraft der Türkei brauche, die jungen türkischen Arbeitskräfte. Und dass sein Land für den Transit von Erdgas aus Zentralasien unverzichtbar ist, erwähnt er natürlich auch gern. In einem Artikel zum 5. Jahrestag der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen schrieb Bagis: "Die Türkei ist nicht mehr länger der kranke Mann des 19. Jahrhunderts, sondern ein dynamischer Akteur des 21. Jahrhunderts." Und wenn man als Türke mit solchem Selbstbewusstsein auftritt, kann man sich auch integrieren, so seine Botschaft.Politik Seite 6------------------------------Foto: Egemen Bagis, türkischer Europaminister
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