Fernsehen

Der Neue beim ARD-Flaggschiff: Jörg Schönenborn moderiert erstmals die Tagesthemen

Bislang präsentierte er die Wahlergebnisse, wollte aber kürzlich auch Intendant des mächtigsten Senders der ARD werden. Nun arbeitet er wieder vor der Kamera.

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Neustart mit 61 Jahren: Jörg Schönenborn ist nun bei den „Tagesthemen“ ebenfalls Moderator.

Neustart mit 61 Jahren: Jörg Schönenborn ist nun bei den „Tagesthemen“ ebenfalls Moderator.

© Hendrik Lüders/NDR/Das Erste

Die Personalentscheidung, die am Montag etwa zwei Millionen TV-Zuschauer sehen werden, ist kein mutiger Coup. Alles andere wäre aber auch eine echte Überraschung, denn es geht um die zweiterfolgreichste Abendnachrichtensendung nach dem „heute journal“ im ZDF. Es geht um die „Tagesthemen“, und die werden am Montagabend erstmals von Jörg Schönenborn moderiert.

In dem Format ist Seriosität wichtig und dass der Anzug gut sitzt – und das ist bei ihm der Fall. Aber es ist nun mal auch eine jener wenigen Nachrichtensendungen, in denen nicht nur trockene News verlesen werden, sondern auch eine Sendung, in der durchaus persönlicher Stil einfließen darf wie bei Claus Kleber, Ulrich Wickert oder Marietta Slomka.

Steifheit, die Seriosität ausdrücken soll

Gegen die Wahl des 61-jährigen Schönenborn war die Entscheidung für die damals 43-jährige Jessy Wellmer tatsächlich eine Überraschung: Sie ist zuvor auch durch Lockerheit aufgefallen. Schönenborn ist immer eher durch eine gewisse Steifheit aufgefallen, die seine Seriosität ausdrücken sollte.

Denn bisher hat Schönenborn an Wahlabenden die Tabellen mit den Hochrechnungen, Prognosen, Sitzverteilungen, Koalitionsmöglichkeiten und Endergebnissen präsentiert. Immer sehr sachlich. Und immer sollten die Zahlen wichtiger und interessanter sein als der Überbringer selbst.

Bislang war er auch Programmdirektor beim WDR und wollte 2024 beim mächtigsten Sender der ARD Intendant werden, scheiterte aber. Nun also Moderator.

Schönenborn ist durch und durch öffentlich-rechtlich. Im Jahr 2012 behauptete er sogar, die Rundfunkgebühr sei eine „Demokratie-Abgabe“. Das ist aus politologischer Sicht fragwürdig, weil es ein wenig so klingt wie ein Slogan der SED, dass die Partei immer recht habe – in diesem Falle ARD und ZDF. Das Zitat zeigt auch eine Selbstüberhöhung bei manchen Vertretern dieser Sender, die mit ihren TV-Programmen jeden Tag etwa 30 Millionen Zuschauer erreichen, ebenso viele wie alle Zeitungen, die allerdings eine größere politische Bandbreite abdecken.

Außerdem müssen sie mit ihrem Produkt selbst am Markt bestehen, anders als die Sender. Die finanzieren sich von dem Geld, das auch jene Bürger zahlen, die keine Kunden von ARD und ZDF sind und deshalb gern von „Zwangsgebühren“ sprechen.

Damit passt Schönenborn perfekt zu einem ARD-Flaggschiff.

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