FRANKFURT a. M., 3. April. Wenn er gewusst hätte, wie der Tag enden wird, wäre seine Miene vielleicht nicht ganz so düster gewesen. "Alles, was nicht voll ist, das ist schon etwas enttäuschend", hatte Wolfgang Kram im Hinblick auf die mäßige Zuschauerresonanz beim Pokal-Final-Four am Wochenende in Frankfurt am Main konstatiert, "mir fehlt eine Erklärung". An beiden Tagen waren insgesamt rund 6 000 Menschen in die Ballsporthalle Frankfurt/Höchst gekommen, 10 000 hätten reingepasst.Damit ist zum letztjährigen Pokalfinale zumindest in dieser Hinsicht kein Fortschritt zu erkennen. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die Arbeitsgemeinschaft der Basketball-Bundesliga, als deren Präsident der Trierer Wirtschaftsprüfer Kram fungiert, sich vom Verband abgenabelt hat. Wichtige Entscheidungen stehen an, die BBL sucht einen Hauptsponsor und verhandelt um einen Fernsehvertrag. Sie will zeigen, dass sie in Eigenregie besser kann, was der Deutsche Basketball-Bund in den vergangenen Jahren nicht zu Stande brachte: Die Sportart aus ihrer Nische wenigstens ein bisschen näher in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken.Ein mühsamer Prozess"Wir müssen lernen, dass man etwas reinstecken muss, damit man etwas rausholen kann", sagt Kram. Diesen Job soll demnächst ein Hauptgeschäftsführer erfüllen, der in den nächsten Wochen eingestellt wird. Dass das dennoch ein langwieriger und mühsamer Prozess werden wird, bestätigt auch das Beispiel Frankfurt. Denn obwohl die Stadt am Main in den Skyliners seit Saisonbeginn einen eigenen Bundesligisten hat, der inzwischen nicht nur durch Marketing, sondern auch sportlich von sich Reden macht, laufen ihm die Fans keineswegs in Scharen nach. Während der letzten Partien in der Nordeuropäischen Basketball-Liga verloren sich kaum mehr als 100 Seelen auf den Rängen, zu Bundesligaspielen kommen selten mehr als 2 000. Vielleicht bringt nun der überraschende Pokalgewinn vom Sonntag gegen Meister und Titelverteidiger Alba Berlin einen Schub.Zumindest hat er die anstehende Play-off-Runde wieder spannender gemacht. Ob seine Mannschaft schon reif für den Meistertitel sei, wurde Skyliner-Trainer Stefan Koch nach dem Triumph gefragt: "Ich weiß nicht", antwortete der und wandte sich an den neben ihm sitzenden Kollegen aus Berlin, Svetislav Pesic, "sind wir reif? Was meinst Du?"Pesic schwieg. Jede Antwort hätte nur falsch sein können. Stattdessen sagte der Alba-Coach: "Solche Spiele gewinnst du, wenn du mindestens so motiviert bist wie dein Gegner." Doch das waren seine Angestellten offensichtlich nicht. Gerade die erfahrenen wie Wendell Alexis, Geert Hammink oder Henrik Rödl spielten aufreizend nachlässig, als könne sowieso nichts schief gehen. Selbst als sich die Niederlage anbahnte, zeigten sie nur wenig Kampfgeist. "Ich habe keinen Siegeswillen gespürt", kritisierte Präsident Dieter Hauert, "man muss nicht immer gewinnen, aber man soll nicht so verlieren."Pascal Roller, der junge Aufbauspieler der Skyliners, hofft nun auf die Langzeitwirkung des Pokalerfolges: "Vielleicht haben wir Alba einen kleinen Schrecken eingejagt." Einen heilsamen auf jeden Fall, ist doch den Beteiligten offensichtlich geworden, dass auch diese Meisterschaft kein Spaziergang im Park wird. Pesic predigt das spätestens seit dem Ausscheiden aus der Europaliga, doch nun hat er auch den Beweis.Das wird seine Arbeit ebenso leichter machen wie die von Gunnar Wöbke. Der Manager der Skyliners hat nun bereits im ersten Jahr etwas Handfestes zu verkaufen. Das ist auch dringend notwendig, denn so professionell sich das Projekt Skyliners nach außen gibt, für einen langfristigen Erfolg nach dem Erwerb der Bundesligalizenz von Rhöndorf sind allenfalls die ersten Weichen gestellt. Immer noch mag kein Hauptsponsor die Brust der Spieler mit seinem Logo schmücken, die Halle wird trotz diverser Freikartenaktionen viel zu selten voll. Es bleibt viel zu tun, um Frankfurt weiter "basketballerisch aufzuarbeiten", wie Kram das nennt. Zweifellos wird er dankbar sein, dass Alba Berlin am Wochenende seinen Teil dazu beigetragen hat.
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